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Einstürzende Neubauten – Live in der Muffathalle, München

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Die Einstürzenden Neubauten feierten im letzten Jahr ihr 30-jähriges Bühnenjubiläum und starteten aus diesem Anlass eine Jubiläumstour. Am Montag und Dienstag letzte Woche haben die Neubauten nun Station in der Münchener Muffathalle gemacht.

Die Tour steht unter dem Motto “3 decades of einstürzende neubauten | 2 nights of celebration“. Am ersten Abend spielt die Band das Hauptkonzert, das auch bereits am 23. Oktober letztes Jahr in Berlin den Auftakt der Jubiläumstournee bildete. Zumindest das erste Konzert in Berlin bot, so wie eigentlich auch schon zum 20-jährigen Bühnenjubiläum, entspannte, angenehme Langeweile.

Der zweite Abend ist jedoch deutlich lohnenswerter. Die Neubauten präsentieren hier ein gemischtes Programm mit  Soloshows, Filmen, Gästen und Freunden. Dieses Programm ist offenbar in jeder Stadt leicht unterschiedlich. In der Muffathalle bestand es aus den folgenden drei Programmpunkten:

En Suite: Die Neubauten beginnen, wie immer pünktlich, mit einem kurzen, ca. 40 minütiges Konzert, bei dem sie Songs spielen, die sie entweder sehr lange nicht mehr oder noch nie live gespielt haben. So zum Beispiel von der „Halber Mensch“ den Titel „Seele brennt“, der zum allerersten Mal überhaupt live aufgeführt wurde. Blixa Bargeld meinte dazu scherzhaft, dass es bisher zu kompliziert gewesen sei, sie aber nun speziell für dieses Lied viel Geld in ein Glockenspiel investiert hätten. Wieviel Wert die Neubauten in ihrer Live-Performance auf das Detail legen ist immer wieder beeindruckend. Der Track, obwohl fast 25 Jahre alt und mit selbst gebauten Instrumenten eingespielt, klingt nahezu perfekt wie aus dem Studio. Das ist wirklich Instrumente-Beherrschung pur. Ebenso wurde das vor der Jubiläumstour zuletzt vor 15 Jahren live aufgeführte Stück „Sand“ gespielt, ebenfalls von dem Album „Halber Mensch“. Ansonsten in der Tat weitgehend unbekannte Stücke.

Der zweite Programmpunkt des Abends ist dann eine Performance von Soundscapes, Jochen Arbeit’s gemeinsamen Projekts mit dem Londoner Sound-Tüftler „Scanner“. Diese breiten dann einen lauten, dicken, wabernden Soundteppich aus, der ein bisschen an Aphex Twin und den ganz frühen Moby erinnert und in seiner Intensität gar nicht mal so weit von den Swans entfernt ist. Arbeit verfremdet dabei seine Gitarre bis zur Unkenntlichkeit während Scanner auf einem großen Tisch mit Laptop, offenen Platinen und jeder Menge Kabelgewirr emsig im Rhythmus hantiert.

Den dritten und abschließenden Teil des zweiten Abends bestreitet N.U. Unruh, Drummer und Percussionist der Neubauten, falls man diese Bezeichungen überhaupt auf ihn anwenden kann, mit seiner Performance Beating The Drum. Dafür waren auf der Bühne und im Zuschauerraum ca. 40 Drum-Tische aufgebaut und es wurden jede Menge Drumsticks an die Zuschauer mit der Aufforderung zum Mitmachen verteilt. Das taten diese natürlich auch und das Ergebnis war ein lärmendes, durcheinander schlagendes aber doch irgendwie rhythmisches Spektakel. N.U. Unruh und später auch Alexander Hacke waren mittendrin, haben animiert, teilweise dirigiert und hatten offensichtlich auch selbst Spaß dabei. Insbesondere Alex Hacke war die Begeisterung deutlich anmerken. Aber auch für die Zuschauer war es ein besonderes Erlebnis, quasi Bestandteil sein in einem großen, „sozialen“ Schlagzeug-Orchester. Damit waren die Fans selbst involviert, ganz im Sinne des modernen, sozialen Musizieren bzw. in der Tradition der Happenings der 60er Jahre von Allan Kaprow.

Am Ende des Konzertes gab es den Livemitschnitt sofort zum Mitnehmen auf USB-Stick (für 20,- EUR bzw. mit einer Blech Schachtel als Geschenk Box für 25,- EUR). Ein extra für den Abend zusammen geschnittener, 90-minütiger Film über die Historie der Band lief übrigens parallel zum Konzert im Muffat-Café. In Summe also ein sehr gelungener, abwechslungsreicher Abend, bei dem man viel Zusätzliches über die Neubauten erfahren konnte und weitere ihrer zahlreichen Facetten kennenlernen konnte.

© Stephan Hesslich

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