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Keane – Live im Goya, Berlin

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Wenn die Jahre vergehen und sich der Zeiger der Zeit unaufhörlich weiterdreht, ist das nicht unbedingt für jedermann ein Grund zum Feiern. Ist man jedoch in einer Band, die seit einem Jahrzehnt erfolgreich durch die ganze Welt tourt, ein Nummer-Eins-Album nach dem anderen veröffentlicht und auf einen ungebrochenen Zuspruch ihrer Fans vertrauen kann, dann sieht die Sache natürlich anders aus.

Keane, zum Beispiel, haben anlässlich eines gemeinsamen Jahrzehnts voller Erfolgsmomente beschlossen das Band-Jubiläum im großen Stile zu zelebrieren und sich dafür etwas Besonderes für ihre Fans ausgedacht.

Der Plan – die Band spielt ein Exklusiv-Konzert vorab der Veröffentlichung ihres dieser Tage erscheinenden „The Best Of Keane“ und lässt das Ereignis weltweit in ausgesuchte Kinos übertragen. Während live vor Ort in Berlin nur eine überschaubare Anzahl von 300 Fans (die Karten waren übrigens auf der Keane-Website innerhalb von nur 2 Minuten ausverkauft) in den Genuss der Live-Qualitäten der Band kommt, haben alle anderen Interessierten zumindest auf der Großleinwand das Vergnügen, jede Sekunde des Auftritts gemütlich auf dem Sesselpolster mitverfolgen zu können: In stolzen 21 Ländern fand die Live-Übertragung statt, die knappe 90min lang Bilder aus dem Berliner Goya rund um den Erdball senden sollte. Mit dabei Kameras in jedem Winkel des Raumes sowie ein sichtlich schon vor Beginn des Konzerts gut gelauntes Publikum. Manche unter den Fans waren extra aus England angereist, um sich das Spektakel nicht entgehen zu lassen, bei dem das Quartett allerdings ohne ihren Bassisten Jesse Quin auskommen musste. An mangelnder Präsenz fehlte es Keane dennoch nicht.

Pünktlich erschien die Band mit dem Eröffnungsstück „Bend & Break“ im Gepäck auf der kleinen Bühne, die jedoch so viel Publikumsnähe zuließ, dass Tom Chaplin gleich zu Beginn die erste Reihe freudig mit einem locker sitzenden Handschlag begrüßte. Wie auf Knopfdruck fing diese und im Sekundentakt auch alle folgenden Reihen, an, die im Raum spürbare Euphorie über das gesamte Set verteilt, nicht abebben zu lassen. Eines steht fest, Keane-Fans sind des Multitaskings fähig. Ob Mitsingen, die Arme in die Höhe reissen oder wahlweise die Konzertbegleitung vor Freude umarmen, am liebsten wurde alles gleichzeitig zelebriert.

Nur eines wurde mit strenger Hand untersagt – das Schießen von Erinnerungsfotos. Wer sich dennoch dabei ertappen ließ, wurde von breitschultrigen Securities schnellstens davon überzeugt, es bleiben zu lassen. Dabei gab es auch so allerhand erinnerungswürdige Momente, die sich vermutlich auch ohne Fotobeweis ins Hirn der Anwesenden gebrannt haben. Allein die Spanne an gespielten Songs und die zwischendurch immer mal wieder eingestreuten heiteren Anekdoten Chaplins gestalteten den Abend zu einem rundherum gelungenen Festspiel der sympathischen Engländer.

Auch nach zehn Jahren im Musikgeschäft wirkt ihre Spielfreude ungebrochen und es entsteht unmittelbar der Eindruck, dass das freundschaftliche Verhältnis der Bandmitglieder nach all der Zeit höchstens noch enger geworden ist. Für das Publikum in Berlin sowie in den (inter-)nationalen Kinos bedeutete dies in Hinblick auf die Band kein bloßes Runterspielen alter Hits, sondern den spürbaren Anspruch, jeden einzelnen Song mit Leibeskräften für den Zuhörer fesselnd zu gestalten. Der immer mitschwingende Funken an Dramatik sowie eine technisch perfekte gesangliche Darbietung Chaplins inklusive.

Überhaupt erweckt Tom Chaplin den Eindruck, selbst nach 21 Songs nicht minder ausdrucksstark oder gar aus der Puste zu sein, was der Band auf der Skala der Live-Qualität einige Pluspunkte einbringt. Nur ein einziges Mal an diesem Abend leisten sich Keane einen Patzer und müssen „A Bad Dream“ ein zweites Mal neu anstimmen. Und das gleich nachdem Tom Chaplin sich und Keyboarder Tim Rice-Oxley bei „Try Again“ als „Dreamteam“ vorstellt. Eine Bezeichnung, die der vom Dreamteam ausgegrenzte Schlagzeuger Richard Hughes nach dem kleinen Fauxpas nur mit den neckischen Worten „Dreamteam, eh?“ und einem Kopfschütteln beantworten kann.

Nach vier Studioalben können Keane ihre Setlist nach Lust und Laune mit den unterschiedlichsten Songs aus ihrem großen Repertoire füttern, welches an Hit-Singles fast schon aus allen Nähten platzt. Die Band verwöhnt das Berliner Publikum regelrecht und wirft ihnen häppchenweise ein Song-Bonbon nach dem anderen vor die tanzenden Füße. Chaplins Nachfrage „Do you have your dancing shoes on?“ vor „Everybody’s Changing“ ist dann auch eher rhetorischer Natur.

Als Entertainer macht Tom im Goya übrigens eine gute Figur, während er abwechselnd den Mikrofonständer umherschweift, schwierige Töne mit Handgesten in der Luft modelliert, das Piano eindringlich beschwört oder die kleine Showtreppe vor dem Schlagzeug für ein kleines Päuschen auf den Knien nutzt. Der Wohlfühlcharakter scheint zweifelsohne in jeder Position gegeben zu sein. Nur bei Balladen wie dem rührenden „Hamburg Song“ gegen Mitte des Sets oder der ersten Zugabe „Sea Fog“ verharrt Chaplin vom Moment ergriffen fast starr. Ganz anders dagegen sein kurzer Ausflug als Gitarren-Rocker bei „Spiralling“ oder dem abschließenden „Crystall Ball“, bei dem sein vor Anstrengung pulsierende Halsschlagader gefühlt auch noch auf ein paar Meter Entfernung sichtbar ist. Is It Any Wonder?

Und so lassen uns Keane mit der Erinnerung an einen Abend zurück, der bezeichnend für das große Live-Potenzial der Band ist und ein Ausrufezeichen hinter die letzten zehn Jahre setzt.

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