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The Smashing Pumpkins – Live im Kesselhaus, Berlin

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Draussen vor den Türen des Kesselhauses tobt in klirrender Kälte noch der Weihnachtsmarkt und die letzten Glühwein-Tassen werden eifrig neben den bunten Holzhäuschen zum Wärmen der Hände umklammert, da drängt eine Menge dick eingepackter Menschen hinein in das Club-Innere, das an diesem Abend Schauplatz der einzigen Show der Smashing Pumpkins hierzulande sein sollte. Den 1. Advent konnte man entweder weiter neben Würstchenbuden mit eisigem Wind im Gesicht oder im regen Gedränge mit gleichgesinnten Pumpkins-Fans in einem für die Band ziemlich kleinen Rahmen verbringen. Trotz des hohen Kartenpreises entschied sich eine so große Anzahl an Menschen für letztere Variante, dass das Publikum zu Beginn der Show bis an die hintere Eingangstür dicht gedrängt stand.

Es war erst das zweite Konzert der Band mit diesem neuen Line-Up, das neben Billy Corgan und seinem treuen Gitarristen Jeff Schroeder noch Brad Wilk (Rage Against The Machine) und Mark Stoermer (The Killers) beinhaltete. Vor ein paar Tagen gab es das Live-Debüt dieser Formation in Corgans-Heimatstadt Chicago, nun steuern die Pumpkins noch ein paar Stationen in Europa an, um ihr neues Album „Monuments To An Elegy“ vorab seiner Veröffentlichung dieser Woche live vorzustellen. Ohne das unnötige Vorspiel eines Supports begann das exklusive Konzert im Kesselhaus dann auch sogleich mit einem der neuen Stücke: „One And All (We Are)“, auf das im folgenden Set noch vier weitere neue Songs wie „Drum + Fife“, „Being Beige“, „Monuments“ und „Tiberius“ folgen sollten.

Ein jedes von ihnen konnte sich dabei in Sachen Songwriting zweifelsohne im direkten Umfeld mit Pumpkins-Klassikern behaupten und war eindeutig von der Handschrift Corgans geprägt. Dieser kommunizierte so gut wie gar nicht mit dem Publikum, freute sich aber dennoch sichtlich über ein paar Begeisterungsrufe infolge der Ankündigung von „Drum + Fife“. Neue Stücke würden laut seiner Aussage in Amerika eher teilnahmslos oder gar grummelnd hingenommen. In Berlin standen die Zuschauer dem neuen Material dagegen wohlwollend gegenüber und schienen ihr Geld für die Konzertkarten nicht nur für ein Greatest-Hits-Set ausgegeben zu haben.

Trotz der kaum stattfindenden Interaktion mit den Fans schlurfte Corgan an vielen Stellen des Sets zum äussersten Bühnenrand, um dort seine Gitarrensaiten nach Herzenslust ganz nahe bei den Fans zu bearbeiten. Einmal versuchte er gar, seine Gitarre auf dem Monitor abzustellen, was natürlich nicht gutgehen konnte und von ihm selbst mit einem entschuldigenden Blick hin zum Roadie quittiert wurde. Über weite Strecken der Show wirkte Corgan fast schon in sich gekehrt, nur um dann in einem energischen Moment euphorisch in die Luft zu spucken oder einen Fotografen mit dem Zeigefinger zu tadeln. Monologe über brisante Themen des Weltgeschehens oder amüsierte Kommentare mit Situationskomik blieben derweil aus. Ebenso wie die Wahl eines provokativen Outfits. Stolzierte Corgan vor Jahren noch mit schwarzem Lederrock oder unschuldig weisser Ganzkörperkluft auf die Bühne, gab er im Rahmen seines Berlin-Konzerts optisch eher den gemütlich, unscheinbaren Typ mit brauner Bundfaltenhose und Print-Hemd.

Die Fans störte das wenig und sie ließen sich nach wie vor von Corgans markant näselndem Gesang mitreissen, der sich vor allem zusammen mit den Gitarren und dem wütenden Schlagzeugspiel in die Gehörnerven grub und im kollektiven Kopfnicken oder gar hoch gerissenen Armen des Publikums mündete. Auch wenn die erste Hälfte der Show trotz der guten Qualität der neuen Songs vergleichsweise blass gegen alles Folgende wirkte, gewann sowohl das Spiel als auch die Reaktion der Zuschauer mit Songs wie „Disarm“, „Zero“, „Bullet With Butterfly Wings“ oder auch „Stand Inside Your Love“ deutlich an Kraft. „Wanna go for ride?“ rief die Menge ihrem Idol Corgan aus den Tiefen ihrer Kehle zu, der nur einen Wink mit der Hand machen musste, um diese Aufforderung bei „Zero“ gebührend einzufordern.

Unter den neuen sowie alten Stücken schaffte es das Bowie-Cover von „Fame“ ebenfalls mit auf die Setlist, das erstaunlich gut zum Pumpkins-Sound bzw. Corgans stimmlicher Klangfarbe passte. Seltsamerweise geriet dieser beim Song selbst so viel in Bewegung wie kaum bei einem anderen Track. Dieser Drang und auch die bis dahin durchaus gelungene Vorstellung gerieten nur gegen Ende des Songs ins Wanken, als Corgans Gesang plötzlich ein wenig zynisch zu einer Art Parodie verkam, bei der er gespielt die Hände auf seine Hüfte legte. Eigentlich hätte es für das Berliner Publikum laut der Setlist zwei Zugaben geben sollen, doch statt dem geplanten „Ava Adore“ trollten sich die Smashing Pumpkins nur für einen weiteren Song „Burnt Orange-Black“ zurück auf die Bühne, die Corgan kurz darauf mit zum Dank zusammengepressten Händen und einem Winken in alle Richtungen wieder verließ.

Während sich Männer im mittleren Alter nach Ende der Show begeistert in den Armen lagen und das eben Erlebte angeregt diskutierten, setzte der Mixer der Band einen oben drauf und erfragte bei jedem zweiten Gast, der den Club verließ, dessen Meinung: „Was it good? It was only their second show!“. Als Meinungsbeauftragter der Band holte er unmittelbar nach dem Verklingen des letzten Tons Wertungen ein und freute sich über jeden hochgestreckten Daumen als hätte er selbst gerade 1 1/2 Stunden auf der Bühne gestanden. Für die Smashing Pumpkins fiel das allgemeine Urteil von vielen Seiten positiv aus und der Band gelang es, die anfängliche Zurückhaltung zugunsten der altbewährten Präsenz hinter sich zu lassen. Daher kann Corgans Frage „Wanna go for a ride?“ auch nach all den Jahren des Bestehens der Band immer noch mit einem klaren „Ja!“ beantwortet werden.

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