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Crystal Castles (Credit ARI D)

Crystal Castles – Amnesty (I)

Systemneustart für Crystal Castles. Die Hardware bleibt gleich, Ethan Khan ist Crystal Castles und wenn es aus dem unschönen, heutzutage obligatorisch via Social Media ausgetragenem Trennungsgezänk zwischen ihm und seiner inzwischen ehemaligen Sängerin Alice Glass etwas Verwertbares mitzunehmen gilt, dann, dass im Elektro der Beat wichtiger ist als die Stimme. Anders als bei Indie-Instrumenten-Bands, die traditionell an egomanischen Diktatoren-Sängern leiden und wo klassischerweise der Drummer der austauschbarste ist.

Von all den Tausend Elektro-Pop-Duos da draußen, wo ein Dude die Rechenmaschinen bedient und die Frau feinen, wie auch immer digital entarteten Gesang besteuert, ist immer der Beatschmied die Band. Alice Glass kann jetzt ein Liedchen davon singen und wenn sie weiterhin meint, ihren radikalen, darken und unhörbaren Kunstscheiß machen zu müssen, kennt in  fünf Jahren wohl ihren Namen keiner mehr.

Die neue Software bei Crystal Castles heißt Edith Frances und braucht ein dickes Fell oder gleich Social Media-Abstinenz, für all die Anfeindungen die Crystal Castles ernten, es zu wagen, im Prinzip noch immer recht gleich zu klingen, trotz neuer Stimme. Dass Gesang nicht mehr das entscheidende Element dieser Musik ist, es will schwer in den kollektiven Kopp.

Ja, Edith Frances klingt ähnlich wie Alice Glass, ein My femininer vielleicht. Doch Ethan Khans industrial angehauchter Electro-Sound braucht genau diese Art von Gegenpol. Und einen solchen kann halt nicht nur eine bieten.

Noch wichtiger als den Gossip-Kram zu bewerten, ist aber zu konstatieren, dass Crystal Castles mit ihrem vierten Album „Amnesty (I)“ endlich wieder auf Pfaden der Hörbarkeit wandeln. Wir erinnern uns: Ein wunderschönes Debüt, welches eigentlich aus gesammelten alten Kamellen bestand, und dann, in Reaktion auf den Indie-Electro-Heldenstatus der späten Nullerjahre, der Gang in die Unerbittlichkeit: härter und krasser das zweite, noch härter und noch krasser das dritte Werk.

Jetzt also wieder genießbar, Toughness trifft auf schöne Melancholie. Der Systemneustart ist geglückt. Wenn sich zwei nicht mehr vertragen, sollen sie getrennte Wege gehen. Die ganzen Aber-früher-war-alles-besser-Fans sind eh die heimlichen, konservativen Brexit-Wähler und AfD-Sympathisanten von morgen und die braucht kein Schwein.

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