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Die Gesellschaft darf nicht abstumpfen – OK KID im Interview

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In Zeiten, in denen die Menge mehr denn je nach Haltung schreit, marschieren OK KID dieser Tage vorneweg. Mit ihrem neuen Album „Sensation“ lehnen sich die Wahl-Kölner weit aus dem Fenster. Neben einem klar definierten politischen Kern beeindruckt die Band auf ihrem neuen Studiowerk auch mit einer in Klang gegossenen Pop-Liebeserklärung. Kurz vor der Veröffentlichung des neuen OK KID-Schaffens trafen wir uns mit Keyboarder Moritz Rech zum Interview und sprachen über das Arbeiten in der Ferne, neue Band-Gefühle und große Sorgenmacher.

MusikBlog: Moritz, Hand aufs Herz: Wie sensationell ist „Sensationell“?

Moritz Rech: Also, wer uns kennt, und weiß, wie wir normalerweise arbeiten, der wird uns sicherlich zustimmen wenn wir sagen: „Sensation“ ist eine Sensation. (lacht)

MusikBlog: Warum?

Moritz Rech: Weil wir diesmal viele Dinge neu angegangen sind. Wir haben uns beispielsweise erstmals zu dritt hingesetzt und Songs im Rahmen einer Jam-Session entstehen lassen. Das wäre vor ein paar Jahren noch völlig undenkbar gewesen. Sonst haben wir uns unsere Ideen immer gegenseitig zugeschickt. Die Lieder wurden dann innerhalb dieses Prozesses immer strukturierter. Diesmal haben wir wie eine richtige Band gearbeitet, ganz klassisch. Wir saßen zusammen und haben einfach losgelegt. Das war jetzt ein viel intuitiveres Arbeiten.

MusikBlog: Wann entstand dieser Gedanke, die Dinge mal anders anzugehen? Mir kam zu Ohren, dass ihr im vergangenen Winter eine Phase hattet, in der ihr euch selbst als Band „langweilig“ fandet. War das der Startschuss?

Moritz Rech: Ja, ich denke schon. Wir waren zu der Zeit ziemlich leer und hatten keine Lust, die Dinge einfach nur so weiterlaufen zu lassen. Das Gute war, das wir alle total offen waren. Wir haben die Situation einfach besprochen und sind dann zu dem Entschluss gekommen, ein paar grundlegende Sachen zu ändern. Aus diesem Gedanken heraus hat sich dann ein Prozess entwickelt, der das komplette Bandgefüge verändert hat. Und das hat dem großen Ganzen nur gut getan.

MusikBlog: Musikalisch betrachtet würde ich „Sensation“ in der Pop-Schublade parken. Ihr brecht auf dem Album aber auch immer mal wieder akzentuiert aus. Auch eine Folge der neuen Arbeitsweisen?

Moritz Rech: Auf jeden Fall. Wir waren knapp zwei Wochen lang in Brandenburg. Dort hatten wir ein kleines Studio zur Verfügung, in dem ein Großteil des neuen Materials entstanden ist. Dann haben wir auch noch mit einem neuen Produzenten gearbeitet (Tim Tautorat). Ich denke, dass die Summe aus all diesen Neuerungen und Veränderungen dazu geführt hat, dass das Album jetzt so klingt, wie es klingt.

MusikBlog: Würdet ihr es denn auch als ein Pop-Album bezeichnen?

Moritz Rech: Die Kategorisierung ist uns nicht wichtig. Ich denke, dass wir viele verschiedene Facetten präsentieren. Wir haben beispielsweise Songs auf dem Album, die in Richtung „Dangerous“ (Michael Jackson) schielen. Dann haben wir einen Gitarren-Song wie „1996“, der komplett live eingespielt wurde. Hinzu kommen Tracks, die auch auf unser letztes Album gepasst hätten. Die Bandbreite ist wirklich enorm. Das hat natürlich auch viel mit unseren persönlichen Vorlieben zu tun. Wir drei kommen alle aus komplett verschiedenen Richtungen. Hip-Hop, Rock, Pop, Indie: Wir sind wirklich extrem breit aufgestellt, wenn es um Musik geht, die wir abfeiern.

MusikBlog: Neben dem facettenreichen Sound beeindruckt das Album auch mit inhaltlicher Tiefe. Songs wie „Lügenhits“ und „Warten auf den starken Mann“ sprechen eine deutliche Sprache. Ihr habt vor zwei Jahren bereits mit „Gute Menschen“ Stellung bezogen. Wie wichtig war es euch, da jetzt nochmal nachzulegen?

Moritz Rech: Die jüngere Vergangenheit hat ja gezeigt, dass die Probleme immer noch da sind. Wir waren damals mit die Ersten, die sich zu dieser Pegida-Welle musikalisch geäußert haben. Mittlerweile sind total viele Bands und Künstler dazugekommen. Das ist natürlich super, und hilft dabei, dass die Leute verstärkt in den Dialog gehen.

MusikBlog: Vor einigen Wochen erst zogen in Chemnitz gewaltbereite Rechte durch die Straßen und riefen ausländerfeindliche Parolen. Kurz darauf setzten über 60.000 Menschen an gleicher Stelle ein beeindruckendes Zeichen gegen Gewalt und Hass. Was hat bei dir persönlich mehr Spuren hinterlassen?

Moritz Rech: Dieser Aufmarsch war schon extrem erschreckend. Das sind Momente, die mir persönlich große Sorgen bereiten. Dass sich kurz darauf so viele Leute zusammengeschlossen haben, um friedlich dagegen zu halten, war natürlich super, und auch notwendig. Wir müssen einfach aufpassen, dass solche Aufmärsche nicht einfach unbeachtet unter den Teppich gekehrt werden. Die Gesellschaft darf dahingehend nicht abstumpfen. Man muss sich immer wieder aufs Neue positionieren und Haltung zeigen. Das ist, glaube ich, mit das Wichtigste.

MusikBlog: Neben dem neuen Album habt ihr in diesem Jahr auch noch die Premiere eures eigenen Festivals „Stadt ohne Meer“ in Gießen gefeiert. Das bis dato ereignisreichste OK KID-Jahr?

Moritz Rech: Definitiv. Wir haben in diesem Jahr unheimlich viel erlebt und erreicht. Ich meine, so ein Album und so ein Festival schüttelt man nicht mal ebenso aus dem Ärmel. Da steckt schon sehr viel Arbeit drin. Aber die ganze Mühe hat sich gelohnt. Wir sind total zufrieden mit dem Album und auch happy, dass das mit dem Festival so super geklappt hat. Jetzt im November steht noch die Tour zum Album an. Das wird dann der krönende Jahresabschluss.

MusikBlog: Vielen Dank für das Interview.

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