„Ist es Größenwahn, wenn ein Indie-Pop-Quartett aus Leer (das Tor zum Ostfriesland) ihr Debütalbum auf den Namen ‚Hamburg‘ tauft?“, fragt die Band NORTH WEST sich in ihrer Bio. Ja vielleicht, aber ist Größenwahn nicht das, was große Bands zu wirklich großen Bands gemacht hat?
Mit „Hamburg“ liefern die vier Freunde eine Platte für Indie-Heads, die vielleicht noch nicht ganz ausgreift daherkommt, aber die man seinem Schwarm als Insidertipp nach einer langen Nacht auf der Parkbank sitzend doch gerne als Geheimtipp unterjubelt.
Bands wie Catfish & The Bottlemen oder Nothing But Thieves seien große Einflüsse für die WG-Kumpanen gewesen, schreiben NORTH WEST über sich selbst. Diese Vergleiche sind dabei nicht weit hergeholt.
Insbesondere der vierte Song auf der Platte „Chemicals“ erinnert stark an Catfish & The Bottlemen und lässt einem nach langen Skinnyjeans-Nächten in Cardiff, Glasgow oder eben Hamburg sehnen. Und der Titeltrack „Hamburg“ lässt fast einen Vergleich mit Radiohead zu, auch wenn es den Jungs noch etwas an Tiefe und Technik fehlt.
Der Höhepunkt der Platte findet bei der Herzschmerzballade „Rosegold Heart“ statt. Von der ersten Sekunde an weiß man, woran man ist und wünscht sich nach den ersten ruhigen Zeilen, dass der Song in ein emotionales Feuerwerk ausbricht, was dann zum Glück auch geschieht.
Mit den prägnanten Riffs auf „Instagram“ decken NORTH WEST dann auch noch die gesamte 2.000er Indiepallette ab und demonstrieren dabei ihr Gefühl für Popkultur.
Auf dem letzten Song „Don’t Wait“ zeigen NORTH WEST auch noch ihre Synthiequalitäten und lassen dabei kein Tanzbein im Regen stehen. „And if you want me to/ I’ll stick around“ heißt es im Refrain. We’ll stick around, versprochen!
Alles in Allem ist „Hamburg“ ein Album für Indie-Nostalgiker*innen von jungen Indie-Nostalgikern. Mit etwas Unterstützung und Zeit kann aus NORTH WEST ein großartiger Indie-Exportschlager werden.

