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Banners – All Back To Mine

“Hallo ChatGPT! Schreib mir bitte eine Platte, die genau so klingt wie James Arthur, Calum Scott & Dean Lewis.” So ähnlich muss wohl der Prompt gelautet haben, den Michael Nelson (so der Name des Mannes hinter Banners) fleißig in die Tastatur gehauen hat. “All Back To Mine” ist leider so austauschbar wie ein Bahnhofsbrötchen.

Natürlich sind die Gegebenheiten auch nicht einfach: Die Platte nach dem Riesen-Hit hat schon viele Musiker*innen ins Straucheln gebracht. Und mit fast einer Milliarde Streams hat “Someone To You” aus dem Banners-Debütalbum “Where The Shadow Ends” die Messlatte auch ziemlich hochgelegt.

Das möchte dieser Nachfolger “All Back To Mine” jetzt scheinbar mit jeder Faser nochmal wiederholen – und verbaut dafür einfach jeden schon mal gehörten Sound-Schnipsel der erfolgreichen rührseligen Singer/Songwriter-Riege in seinen Songs. Das ist bedauerlicherweise an keiner Stelle überraschend oder aufregend, sondern vor allem: gefällig für Muttis Ohren.

Im harmlosen deutschen Formatradio ist Banners damit genau richtig. Und natürlich sind die Songs handwerklich nicht schlecht gemacht – die Background-Chöre von “In Your Universe” zum Beispiel machen eine ziemlich gute Figur. Und auch Nelsons Stimmfarbe springt solide zwischen Kopfstimme und gefühlvollem Lagerfeuer-Vibe hin und her.

Es mangelt aber an einer ganz relevanten Stelle: dem Songwriting. Traut sich Nelson mal mit seiner Stimme aus der Komfortzone raus, wie im Refrain von “There Goes My Girl”, sind Beat und Synthesizer aus der Ramsch-Schublade. Wird es mal intimer, jagen die Lyrics Gänsehaut ein (“The Best View In Liverpool”).

Wenn schon Kitsch, dann aber bitte richtig – und so ist zwar auch das Duett mit Lily Meola kalter Kaffee, kann aber mit seinen großen Streichern am Ende immerhin etwas Stadion-Atmosphäre auf die Platte transportieren.

Leben und leben lassen – Banners ist auf dem Papier handwerklich okayer Gefühls-Pop. Wer sich davon emotional abgeholt fühlt, kriegt sicher ein sympathisches Kerlchen mit Gitarre auf der Bühne.

In Zeiten, in denen Taylor Swift für ihre Mono-Thematik kritisiert wird, ist der Hype um diese KI-würdige-Musik dann aber doch etwas absurd.

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