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Indigo De Souza – Precipice

Ein kraftvolles Werk legt die 28-jährige Indigo De Souza mit „Precipice“ vor. Feurige Dance-Abschnitte mit peitschenden Beats, starke sphärische Phasen und ekstatischer Elektro-Pop wechseln miteinander, und trotzdem ist „Precipice“ im Kern eine Singer/Songwriter-Platte.

Das Cover-Artwork zeigt eine lebende Figur mit einem Skelett-Kopf, die zwischen grellbunten Pflanzen Muscheln zu sammeln scheint. Eine nackt badende zweite Figur mit Skelett-Kopf beobachtet sie dabei vom Strand aus. Indigos Mutter hat das Bild angefertigt. Es ist die Fortsetzung ähnlicher Motive von den LP-Covern zu „All Of This Will End“ (2023), „Any Shape You Take“ (2021) und „I Love My Mom“ (2018).

Zwar zeigen sich die meisten besungenen Themen keineswegs als Neuerfindung des Rades, wenn es in „Crush“ darum geht, sich verliebt zu haben oder in „Crying Over Nothing“ und „Heartbreaker“ um die Distanzierung vom Ex-Partner. Dagegen hatte das Vorgänger-Album weitaus mehr lyrischen Anspruch.

Doch die Art des Gesangs erinnert in ihrer Technik mit brüchigen Mikro-Momenten inmitten ihres nachdrücklichen Vortrags an Marina Diamandis, dann hören die Parallelen mit wem auch immer aber auf.

Würde man Indigo De Souza zufällig hören, beispielsweise in einer Kneipe, und die Musik aus den Boxen mit Shazam entschlüsseln, ist das nur beim ersten Mal nötig. Sobald man ihren Namen dann kennt, besteht keine Verwechslungsgefahr, und man wird diese Stimme immer ihr zuordnen.

Voller Begeisterung kommt Indigo manchmal der Übersteuerung nahe und wirkt laut und stellenweise gurrend wie in „Heartthrob“. Einerseits bringt sie den Gestus einer Riot Grrrl-Punkrockerin mit, andererseits in einer fröhlichen und teilweise, wie in „Dinner“, einer kontemplativen Variante.

Was das Bedächtige angeht: Es gibt auch einen Text, der zum Nachdenken anregt und das Älterwerden thematisiert, „Not Afraid“. Hier legt die Amerikanerin nahe, ihre Angst vorm Tod überwunden zu haben – mit 28 ist das ein reifes Statement.

Indigo De Souza schreibt das, nachdem sie als Teenagerin viele psychische Probleme durchmachte. ‚Sterblichkeit versus Verjüngung‘ war schon früher bei De Souza ein Thema, das sich durch ihre Lieder zieht.

Das Titelstück „Precipice“ zeichnet sich durch eine zarte Abrundung der lebhaften neuen Scheibe aus, und es hält einen späten Höhepunkt voller Intensität bereit. De Souza vertraut auf niedliche Synth-Effekte, gepitchtes Echo ihrer Stimme und brummende Wärme aus der E-Orgel.

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