Marissa Nadler hat vorgestern ihre neue Single „Hatchet Man“ inklusive Musikvideo veröffentlicht. Der Song stammt von ihrem neuen Album „New Radiations“, das am 15. August via Bella Union erscheint.
Die neue Single und das kommende Album zeigen Marissa Nadler in Höchstform – und das bedeutet: düstere Geschichten, die einem unter die Haut gehen. „Hatchet Man“ ist eine kosmische Mörderballade, wie sie es selbst nennt, und wer bei diesem Begriff nicht sofort hellhörig wird, hat vermutlich noch nie eine Marissa-Nadler-Platte gehört.
Die Singer/Songwriterin aus Boston hat sich über die Jahre einen Namen damit gemacht, süße Melodien mit verstörenden Texten zu kombinieren – und bei „Hatchet Man“ perfektioniert sie diese Kunst.
Während der Refrain beschwingt daherkommt, erzählen die Strophen von einem Mann, der eine Frau nicht etwa zum romantischen Dinner nach Hause bringt, sondern zu ganz anderen Zwecken. „Der Engel hat ihn dazu gebracht, und er hat mich zusehen lassen – er dachte, niemand würde ihre Abwesenheit bemerken“, singt Nadler mit ihrer charakteristisch warmen, aber fragilen Stimme.
Schon auf ihrem 2021er Album „The Path Of The Clouds“ beschäftigte sie sich mit Metamorphose, Liebe und Mord. Keine leichte Kost, aber dafür werden Zuhörer*innen laut MusikBlog-Review „mit vielschichtigen Sounds belohnt, bei denen es jedes Mal etwas Neues zu entdecken gibt.“
Auf dem neuen Album „New Radiations“ wandelt sich Nadler textlich durch Zeit und Raum wie eine literarische Zeitreisende. Mal ist sie Pilotin einer Cessna, mal Raumfahrerin, die vor neuen Strahlungen warnt, mal Zeugin eines Verbrechens. Ihre Erzählkunst wirkt filmisch angelegt und zutiefst persönlich – eine Kombination, die nicht jedem gelingt, aber bei ihr wie selbstverständlich funktioniert.
Das Album „New Radiations“ verspricht ein Höhepunkt ihrer Karriere zu werden. Produziert von Marissa Nadler selbst und gemischt von Randall Dunn, der schon mit Earth und Sunn O))) gearbeitet hat, vereint es schwindelerregende Slide-Gitarren, hypnotische Synthesizer und raue Riffs zu einem Sound, der genreübergreifend und doch ganz eigen ist.
Von der ersten Note an zeigt sich: Marissa Nadler hat den Lärm der Welt in einem Moment der Schönheit eingefroren.
Das selbst gedrehte Video zu „Hatchet Man“ kreiert eine surreale Atmosphäre passend zum Song. Mit ausgeschnittenen Schattenfiguren, Alltagsgegenständen und Flüssiglicht-Techniken schafft Marissa Nadler einen purpurroten Raum, der die Geschichte erzählt, ohne dabei zu illustrativ zu werden.
Ein alter Overhead-Projektor sorgt für den nötigen Vintage-Charme – wer hätte gedacht, dass dieses Schul-Relikt noch mal für Kunstwerke taugen würde?
