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Nina Chuba – Ich lieb mich, ich lieb mich nicht

„Wer ist wieder da?“ fühlt sich am Anfang dieses Albums beinahe wie eine Fangfrage an, wo Nina Chuba doch spätestens seit „Wildberry Lillet“ Hit des Jahres 2023 wurde dauerpräsent ist. In Playlists und Heavy Rotations diverser Radio-Sender, aber auch in Funk, Fernsehen und Social Media.

Chuba hat den Sprung vom One Hit Wonder zum etablierten Pop-Act mit einem Albumzyklus geschafft – „Ich lieb mich, ich lieb mich nicht“ ist jetzt die Feuerprobe, ob der Hype auch Bestand haben kann.

Dabei ist die Antwort schon vor dem Release des Albums klar: Von den 19 (!) Songs der Platte wurden bereits 7 (!) veröffentlicht. Das wäre bei anderen Musiker*innen schon ein ganzes Album, Chuba hat aber eine Vorliebe für lange Tracklists – und das ist für Fans ja auch toll so.

„Ich lieb mich, ich lieb mich nicht“ strotz vor Lebensfreude und einer Ausformulierung dieser Gen Z-Pop-Version von dem, was Seeed in den 00er Jahren groß gemacht hat. Chuba scharte dafür ein tolles Produktionsteam um sich und kann damit auf 19 Songs eine überragende Hit- und Vielfaltsquote abliefern.

„NINA“ machte als erste Vorab-Single den Anfang und steht auch hier als Opener auf dem Zettel – musikalisch gibt es epische Seeed-Fanfaren und Zeilen wie „Merk dir meinen Namen“. Aber eben auch viel Selbstironie, wie die Zeile „Überrasche meine treusten Fans und rolle in die Kitas rein“, wo Chubas Fanbase doch oft als sehr jung bezeichnet wird. Auch wenn der erste Track nicht der erfolgreichste der Singles war, ist er ein guter Start – musikalisch und in der stolzen Brust.

„Jeeep“ ist der erste Track, bei dem Chuba plötzlich mit hochgepitchter Stimme à la Domiziana vor elektrischen Beats performt, „FUCKED UP“ (featuring Makko) ist die Fortsetzung von „Ich Hass Dich“ (im besten Sinne!).

„FAHR ZUR HÖLLE“ fährt unterkühlte Synthies in das große Up-Beat-Finale – Billie-Eilish-Vibes am Steuer. Und bei „LULULEMONSQUEEZY“ gibt es sogar Dancehall-Beats.

Die Szenerie für die Platte ist allgemein: Die Songs spielen bei Nacht, es wird mit alten Freundschaften und Beziehungen abgerechnet, die Lebensfreude wird in Bläsern und selbstbewussten Parolen gefeiert.

Das mag angesichts des aktuellen Weltgeschehens fast wie aus der Zeit gefallen sein, und dass es nicht zumindest etwas Politik wie etwa in „Ich Hass Dich“ gibt, ist natürlich schade. Aber wenn man jetzt feiern möchte, dann geht das mit diesem Album enorm gut.

Denn auch, wenn „MALEDIVEN“ den VIP-Lifestyle wieder feiert und sich überhaupt viele Tracks wie der zweite Teil des ersten Albums anfühlen – Chuba bleibt mit Songs wie ihrem bisher emotionalsten Stück „unsicher“ so nahbar, dass man den Sympathie-Faktor nicht wegstreichen kann.

Wenn sich da die 80s Synthies vor einem Klavier aufbauschen und Nina Chuba „Ich lebe doch zum ersten Mal“ feststellt, ist klar: Schön, dass das hier jetzt etablierte Popkultur ist.

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