Für das sechste Album „Oblivion“ durchforstet Alice Phoebe Lou ihr Archiv. Was sie findet sind Songs voller Erinnerungen, leiser Zweifel und kleiner Wahrheiten.
Die elf neuen Stücke sind daher in Teilen schon recht alt. Das meiste geht zurück in die Zeit, bevor sie für ihre Band schrieb. Das Ergebnis ist eine Sammlung reduzierter Songs, die über ein Jahrzehnt entstanden sind – „Archivmaterial“, das bislang ungenutzt war.
Es ist davon auszugehen, dass die gebürtige Südafrikanerin mit Wohnsitz in Berlin die ursprünglichen Fassungen für die jetzigen Aufnahmen nur in homöopathsichen Dosen geändert hat. Zu puristisch stehen die zerbrechlichen Stücke im Raum, die alle ihren Ursprung auf der Akustikgitarre haben.
Der ohnehin noch nie überbordenden Produktion ihrer Alben gedeiht mit “Oblivion” die wohl reinste aller möglichen Versionen an. Noch weniger Bandsound, noch mehr intime Arrangements.
Über zurückhaltenden Pianotupfer und Akkustikgitarren steht die leicht rauchige Stimme mit den Texten beinahe nackt im Zentrum, wenn Phoebe Lou etwa in der Lead-Single “Pretender” mit einer “liebevollen Ode an ihr jüngeres Ich“ hausiert.
Damit steht sie mehr den je in der Tradition einer Joni Mitchell, die den Purismus einst zur vollwertigen Kunstform erhoben hat. In dieser Hinsicht ist das Album eine durch und durch selbstbewusste Veröffentlichung über Vergänglichkeit, Erinnerung und die Kraft des Loslassen.
Allerdings auch eines, das nicht immer darüber hinwegtäuschen kann, dass es sich um Archivmaterial handelt. Das wohl auch deshalb so lange ungenutzt blieb, weil bisher die entscheidenden Ideen fehlten, die eine Veröffentlichung gerechtfertigt hätten.
In der Rückschau wird “Oblivion” daher wohl eher als Lückenfüller in die Diskografie eingehen.

