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Ella Eyre – everything, in time

Ella Eyre schulte ihre Stimme lange Zeit an Beat-Kaskaden des Drum and Bass. Ein Quäntchen davon bleibt auf „everything, in time“ erhalten, in „ain’t no love that blind“, und in „domino szn“, einer Hochsommer-Hormon-Hymne von 2024.

Das Album dürfte im Titel deswegen so sehr den Faktor Zeit in den Fokus nehmen, weil immerhin zehn Jahre seit Ellas letztem und damals erstem Album verstrichen. Die R&B-Künstlerin aus London, mit jamaikanischen Wurzeln, ist mittlerweile 31. Sie hat sich aus der Major-Label-Welt von Virgin EMI und Island weg bewegt, sich an den Stimmbändern operieren lassen und in den Indie-Kosmos von PIAS begeben.

Da der ehemalige UK-Charts-Dauergast nun also sowieso sehr lange aus dem Rampenlicht verschwand, kann sie die klassisch hohen Erwartungen an die Nachfolge ihres Debütalbums geschickt umschiffen. Nach einer Kollaboration mit Tiggs Da Author plus sieben weiteren Vorab-Singles, die alle die Charts verfehlten und jetzt auch auf dem Album verfügbar sind, hält sich die Überraschung sowieso in Grenzen.

Für den Status als Single(s) eignen sich derweil noch ganz andere Nummern hervorragend: Insbesondere „diamonds“ hätte durchaus das Zeug für die Top 40 der europäischen Hitlisten, so eingängig schiebt er sich in Kopf und Beine. Der vorhersehbare Funk-Pop und die unwiderstehliche Einfachheit drängt sich auf.

Die quirlige Interpretin legt insgesamt ein beschwingtes, flinkes Werk vor. Es fühlt sich so selbstverständlich wie auch plakativ an, flirtet charmant mit Pop, behauptet seinen Anspruch, nachts die Tanzflächen zu füllen und morgens im Radio laufen zu dürfen.

So bringt „red flags & love hearts“ eine coole Melodie, die passenden Bassläufe und eine klare Betonung auf dem Refrain mit. Sprachlich fügt es sich mit Schlüsselwörtern wie „gaslighting“ und „red flags“ in den Zeitgeist ein und thematisiert in einer aktuellen Ausdrucksweise Themen, die auf Social Media die Aufmerksamkeit auf sich ziehen.

Die leichte Kost des Albums mit teils schweren Texten vermag zweifellos in eisigen Wintertagen einzuheizen. Je mehr man die vielen Anläufe und Zwischenschritte in der Fertigstellung von „everything, in time“ zur Kenntnis nimmt, die sich von Ende 2018 bis Spätsommer 2024 vollzog, umso mehr kann man sich wundern, wie gut die Tracks zueinander passen.

Adele-Fans dürften bei „this shit hurts“ aufmerken, somit sticht etwas Soul-Pop heraus. Alles rundherum wirkt wie aus einem Guss, ein Gemisch aus Power-Pop, Dance, R&B, Brit-Funk und Disco.

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