Ob er zu einer der federführenden Größen der britischen Elektro-Szene geworden wäre, wenn George Evelyn nicht fünf Pfund in einen Lautsprecher investiert hätte, bleibt spekulativ. Vermutlich hätte er einen anderen Kanal gefunden, um seine visionäre Musik unter die Leute zu bringen, jedenfalls war der Kauf der alten Box, die er „Echo45“ taufte, das Fundament für seine Karriere, die zufällige Begegnung mit John Halnon und später Kevin Harper, die Geburtsstunde von Nightmares On Wax – alles was folgte, ist inzwischen Legende.
Falsch liegen konnte man bei der DJ-Ikone nie. Weder eingangs der Neunziger, als die Hymne „Aftermath“ durch Clubnächte trug, noch, als „Smokers Delight“ zur Referenzplatte wurde oder der in ägyptischer Mythologie bewanderte Protagonist die Downbeats allein weiter kultivierte.
Entsprechend erwischt er auch mit dem neuen Mixtape „Echo45 Sound System“ den richtigen Vibe, dokumentiert der titelgebenden Opener über eine dreiviertel Stunde, womit George Evelyn das Genre über Jahrzehnte prägte, Grußworte eines gewissen Mr. Goldie inklusive.
In einer Hommage an Dub, Reggea, Hip-Hop, Funk und jeder Menge feiner Details, die zwischen den smoothen Tönen wohnen, läuft der wohl dienstälteste Warp-Act im Brückenschlag zwischen Lebenswerk und Moderne nie Gefahr, zwischen Bestandsverwaltung und Routineaufgaben zu versanden.
Dazu tragen adäquat auch die Kollaborateure bei – unter anderem Urban-Sound-Shootingstar Oscar Jerome und Yasiin Bay fka Mos Def – die der aktuellen Ausgabe ihre Stimme gaben.
Man kann sich also ganz nach Präferenzen von den Streichern in „Echo45, We Are!“ in eine Hängematte legen, die Beine via „True“ vom Bass in Bewegung versetzen oder vom sanften „Wind Of Change“ mit Yarah Bravos Sprechgesang im Ohr über die Dächer davontragen lassen.
Dass George Evelyn auch als maßgeblicher Pionier des Trip-Hop gilt, lässt sich an Sequenzen ableiten, in denen Greentea Peng am Mikro ist, hört es sich dort ein bisschen wie Tricky und Marta ohne klaustrophobischen Unterbau an.
Von „Peace“ singt Liam Bailey im vom Bob-Marley-Geist durchzogenen „Hop-To-Mystic“ und den stiftet Nightmares On Wax mit seinen aktuellen Tracks zumindest akustisch .

