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Mika – Hyperlove

Hyper-Pop nennt man die Kunst schiefer und gezielt unsauberer Töne, die unser natürliches Hörempfinden herausfordern, während sie doch in ein teilweise gefälliges und weiches Pop-Gewand eingekleidet sind. „Hyperlove“ heißt MIKAs Umsetzung dieser stilistischen Technik.

Der 42-jährige Kosmopolit mit mehreren Staatsangehörigkeiten heißt bürgerlich Michael Holbrook Penniman Jr., so dass sich in den Credits seiner stets selbst mitverfassten Songs die Namen Holbrook oder Penniman finden.

Auf seinem nunmehr sechsten Longplayer setzt er Verfremdungen seiner Stimme ein. Sie beanspruchen das Repertoire von Slow-Motion und Echo über Auto-Tune und Vocoder bis hin zu gekläfftem Pop-Punk und Sing-Rappen.

Die darunter liegenden Dance-Beats klingen mitunter metallisch, bewusst schroff und schmutzig. Gleichzeitig münden die Tracks auf „Hyperlove“ stets an irgendeiner Stelle in saubere, glatte Phasen ein.

Oder umgekehrt: Sie entspringen ihnen, und die Metamorphose entwickelt sich in Richtung kratziger Kontraste. Dadurch kommt bei MIKAs Platte zumindest in der ersten Hälfte kaum Langeweile auf.

Außer man achtet auf die Texte, die fast nicht abgedroschener sein könnten: Wortwiederholungen sind hier, teils mangels Inhalt, teils als gezieltes Stilmittel, das Kern-Element. Kinderreimen, Zählübungen und Ansagen bei Fitness-Kursen kommt die Lyrik so nahe, dass man von Songwriting kaum sprechen kann.

Mit ein paar Ausnahmen: „Wenn du in die Zukunft schaust, willst du nur weglaufen, gefangen in diesem verrückten Spiel“, unkt der Künstler überraschend dystopisch für Dance-Pop-Verhältnisse. Ebenso beschwört das Album mit pathetischen Worten die gruselige Vorstellung, dass Roboter Gefühle entwickeln könnten, verkörpert im „Science Fiction Lover“.

Inwieweit der in Italien, Spanien und Frankreich beliebte Casting-Juror mit „Hyperlove“ auch in den deutschsprachigen Ländern an seine früheren Erfolge anknüpfen kann – wie er sie seit seinem Durchbruch mit „Relax, Take It Easy“ vor 20 Jahren zuhauf hatte – bleibt abzuwarten.

Für seinen Ohrwurm „Dreams“ im Schweden-Pop-Stil könnte das klappen. Doch ein großer Teil der Tracks bleibt seltsam distanziert und entfaltet kein rechtes Charisma.

Und im Laufe der Dreiviertelstunde nutzen sich die Four-to-the-floor-Beats ab, obwohl sie immerhin größtenteils von Nick Littlemore von Empire Of The Sun stammen.

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