Eine Legende kehrt zurück: Beverly Glenn-Copeland steht seit seinem selbstbetitelten Debütalbum aus dem Jahre 1970 für eine völlig eigenwillige, zwischen Emotionalität und Erhabenheit schwankendem Klang-Dynamik. „Laughter In Summer“ ist das fünfte Studioalbum des kanadischen Musikers und Transgender-Aktivisten und könnte zu keiner Zeit besser passen.
Hier fließen Jazz, Folk, Blues und Pop ineinander und ergeben gemeinsam etwas ganz Eigenes. Während die Welt um uns herum für immer mehr Unbeständigkeiten sorgt, setzt Glenn-Copeland den Fokus auf die Zuversicht und das Verbindende. Genauer: Die Natur, unsere Umgebung, eigentlich die Welt an sich.
Wie schon der Albumtitel anteasert, ist das Setting des Albums in der wärmsten Jahreszeit angesiedelt. „Laughter In Summer“ ist aber weniger eine Platte zum Sonnenhut-Tragen und Cocktails Schlürfen, sondern eher eine für die besinnlichen Momente, wenn der Spätsommer in warmes Licht taucht oder die tiefgehende Freude über all das Vitamin D noch mehr Liebe für seine Familie/Freund*innen erweckt.
Dafür vertraut Beverly Glenn-Copeland auf reduzierte Arrangements – viele der Stücke sind hauptsächlich von Klavier und seinem Timbre getragen, als Duett-Partnerin tritt dazu noch seine Partnerin, die Öko-Poetin und Theaterschauspielerin Elizabeth Copeland auf.
All das hat in seiner sanftmütigen, unaufgeregten Art etwas zutiefst Herzerwärmendes. Diese Platte wirkt in ihrer Weitflächigkeit, als hätte Mutter Natur sie selbst in Auftrag gegeben.
Mit der Vorsicht und spürbaren Liebe zur Umwelt beschreibt „Ever New“ den Frühling und zieht daraus ein Versprechen für die Gegenwart: „We are ever new“. Heißt: Das, was die Natur jedes Jahr als Neuanfang durchzieht, schaffen auch wir als Menschen.
In Szenen wie diesen steckt gerade in Zeiten der Entzweiung und des Egozentrismus etwas ungemein Verbindendes und Tröstliches. Dazu bietet das Songwriting einzigartige Momente, etwa wenn im Titeltrack Beverly Glenn-Copeland selbst mit einer lieblichen Melodie im Hintergrund bleibt und Elizabeth Glenn-Copeland im Vordergrund über die große Liebe zwischen beiden Künstler*innen singt:
„June through September here with You – my heart, my joy, my life“. Dazu schwillt Beverlys Gesangsmelodie zu einer choralen Kakofonie an. Epischer kann eine Liebe kaum in Szene gesetzt werden.
All das ist maximal herzerwärmend und in seiner gewaltigen Größe schlicht beeindruckend. In diesem Setting nimmt „Children’s Anthem“ den emotionalen Höhepunkt ein:
Es geht darum, den Kindern dieser Welt eine lebenswerte Zukunft zu hinterlassen. Eine, die Elizabeth und Beverly Glenn-Copeland selbst nicht mehr miterleben werden. Aber eine, für die sie mit diesem Kraft spendenden Album eintreten möchten.

