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Sessa – Live im Stadtgarten, Köln

Mit seinem dritten Album „Pequena Vertigem de Amor“ hat Sérgio Sayeg alias Sessa vergangenen November sein dato technisch ausgefeiltestes Album veröffentlicht. Aber diese Versiertheit ist nicht das, was den Singer/Songwriter aus São Paulo ausmacht.

Gerade live ist es eine gewisse locker-flockige Atmosphäre, die Sessa auch gestern ins Konzerthaus des Kölner Stadtgartens transportieren konnte. Dabei wurde er tatkräftig unterstützt – einerseits von seiner dreiköpfigen Begleitband, aber noch von anderen.

Wenige Minuten, nachdem ein trommelnder Demonstrationszug am Park vorbeimarschiert ist, tönen fetzige Beats auch aus dem Innern des Saals: Ein DJ legt brasilianische Pop-Klassiker auf seine Plattenteller und stimmt damit den Ton für den restlichen Abend an. Zu Songs von Jorge Mautner, Erasmo Carlos und Tim Maia versammeln sich die ersten tänzelnden Besucher*innen.

Der Support-Künstler Wolfgang Pérez umarmt wenig später seine Gitarre inniglich, während er mit viel Fingerspitzengefühl seinen eigenen Gesang begleitet. Der Deutsch-Spanier macht alle Ansagen zuerst auf Spanisch, bevor er auf Deutsch, und mit leicht schelmischem Unterton, erklärt, was er denn gerade gesagt habe.

Pérez ist zwar lokal ansässig, aber auch Brasilien eng verbunden. Seinen letzten Song widmet er der Stadt Rio de Janeiro, für die er nochmal energischer in die Saiten haut.

Jazz-Anleihen und einige improvisatorische Freiheiten gehören bei Sessa zum erwartbaren Programm, aber dass er auch wie ein Noise-Rocker abgehen kann, ist bei seiner sanftmütigen Art doch verblüffend.

„Nome de Deus“ gipfelt in einem chaotischen Anti-Solo, dass auch in einen Sonic-Youth-Song gepasst hätte – nur eben auf einer Akustikgitarre.

Die Rhythmus-Sektion der Band spielt allgemein zurückgenommen, aber ungemein sexy zusammen. Auch sie brechen gelegentlich aus, trommeln für „Pele da Esfera“ das Jazz-Äquivalent eines Blastbeats oder verfremden den Bassklang mit Bogen und destruktiven Pedalen.

Eine Keyboarderin sorgt für Hintergrundgesang und elektronische Orgelklänge, durch Einstreuung von Schellen, Tamburin und Agogos aber auch für mehr Latin-Flair.

Alle Musiker*innen gehen vollkommen in ihren Rollen auf, zwinkern sich zu, sprechen ihre Parts leise mit, sind sogar am Headbangen – sie geben alles. Die Eskalation bleibt jedoch niedrigschwellig genug, um sich nicht mit den ruhigen Anteilen der Musik zu beißen.

Auf den hinteren Rängen nickt das Publikum ein wenig mit, vor der Bühne tut man es eher den Musiker*innen gleich. Jubelrufe ertränken einen Großteil von dem, was Sessa zwischen den Stücken zu sagen versucht. Dass er sich geehrt fühlt, kommt trotzdem durch.

Nach zwei kurzen Zugaben ist Sessa fort, aber das wohlige Gefühl bleibt noch eine Weile im Raum stehen. Sessa und Band sind schließlich nicht ohne Grund „die besten Musiker in São Paulo“.

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