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Tinlicker – Dreams Of The Machine

Manchmal öffnet ein Album eine Tür, und man tritt hindurch, ohne zu wissen, wohin die Reise geht – „Dreams Of The Machine“, das vierte Album des niederländischen Duos Tinlicker und das erste mit der neuen Sängerin Hero Baldwin, beginnt genau so.

„Awake Consciousness“ öffnet einen Klangraum, der gleichzeitig weit und warm ist, wie ein Festivalsommertag kurz vor Sonnenuntergang. Man ahnt sofort: Diese Musik will auf riesigen Boxen gehört werden, draußen, mit Menschen um einen herum.

Und dann, mit den ersten Takten von „I Want My Freedom“, glaubt man kurz, aus Versehen Radioheads „Everything In Its Right Place“ eingeschaltet zu haben – bis Baldwins weiche Stimme den Track in einen dunklen, tanzbaren Club-Beat verwandelt.

Wo auf dem Vorgängeralbum „Cold Enough For Snow“ von 2024 noch viele verschiedene Sänger*innen vertreten waren, hört man nun eine zentrale, prägende Stimme – und Baldwin füllt diese Rolle mit Überzeugung aus.

Die eingängigen, sich immer wiederholenden Mantras setzen sich fest, und das ist symptomatisch für das gesamte Album: Tinlicker arbeiten mit einfachen, aber wirkungsvollen emotionalen Ankern.

Das Album bewegt sich sicher im Melodic-House, mit einer ausgeprägten Dance-Pop-Note. Die Synthesizer klingen kristallklar, der Bass bouncy, die Sphären traumhaft.

„Melancholia“ ist genau das, was der Name verspricht – ein träumerisches Stück, das Erinnerungen heraufbeschwört wie Rauch, der sich langsam auflöst.

„Dancing In The Dark“ imitiert mit seinem zitternden Beat das Flackern von Stroboskoplicht.

„Mothership“ schaltet im letzten Drittel auf Vollgas und liefert einen der stärksten Drops des Albums.

Das monumentale „Reborn“ schließt die Reise episch ab.

Weniger überzeugend ist das, was das Album konzeptuell zusammenhalten soll. Tinlicker beschreiben ihre Auseinandersetzung mit KI, Algorithmen und der Frage, wo die Grenze zwischen Mensch und Maschine verläuft.

Ein interessanter Gedanke – der in den Texten leider kaum landet. „Release“ etwa beschreibt eine Partynacht, in der intimer Blickkontakt einen endlich vom Smartphone befreit. Das klingt gut gemeint, wirkt aber spirituell etwas aufgeblasen. Und Zeilen wie „there is god in you“ treffen eher den Ton eines Psytrance-Festivals als den einer durchdachten Reflexion über das digitale Zeitalter.

Tinlicker präsentieren das, was sie gut können. Ob man von diesem Album eine tiefere Botschaft erwartet oder einfach nur tanzen will, bestimmt am Ende, wie befriedigend man „Dreams Of The Machine“ findet. Für Letzteres liefert es auf ganzer Linie.

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