Website-Icon MusikBlog

The Clockworks – The Entertainment

Wie lebt man eigentlich noch in dieser Welt? Und vor allem: Wie teilt man mit anderen, was man wirklich fühlt – oder tut man das überhaupt noch? Diese Fragen stellt „The Entertainment“, das zweite Album der irischen Band The Clockworks, nicht laut und plakativ, sondern mit einer schleichenden, fast beunruhigenden Eindringlichkeit.

Untertitelt mit „A work of fiction by The Clockworks“ gibt die Band gleich zu Beginn einen Hinweis: Alles könnte gespielt sein. Oder auch nicht.

Das Album wurde in Isolation aufgenommen. Die Bandmitglieder spielten ihre Parts getrennt voneinander ein, um jene Spannung zu erzeugen, die den Grundton des gesamten Werks prägt. Das Konzept geht auf.

Klanglich bewegt sich das Album zwischen Verführung und stiller Bedrohung: verschlungene Gitarrenriffs, ein mal theatralischer, mal hauchzarter Gesang von James McGregor, und eine Grundstimmung, die sich wie existenzielle Unruhe im Bauch anfühlt.

Inhaltlich kreist das Album um die Frage, wie viel echte Emotion in einer Welt noch Platz hat, die flüchtige Bildschirmmomente zu der neuen Währung gemacht hat.

„Best Days“ etwa trieft vor Ironie: Zu zittrigen Gitarren und dunklem Bass besingt McGregor das Hochhalten einer aufgesetzten Fröhlichkeit, die niemanden wirklich täuscht.

„The Actor“ lässt seine Hörerschaft in quälender Erwartung eines großen musikalischen Ausbruchs – der dann nie kommt. Als Sinnbild für emotionale Verdrängung funktioniert das erstaunlich gut.

„The Double“ hingegen zeigt McGregors Falsett und eine Leidenschaft beim Singen, die an Gerard Way von My Chemical Romance erinnert: die Worte werden förmlich durch den Raum geschleudert.

Höhepunkt des Albums ist „Through The Looking Glass“, ein Song, der sich tatsächlich nach Festival-Moment anfühlt, mit überzeugenden Vocals und abwechslungsreicher Instrumentierung.

Und dann ist da noch der Titeltrack selbst: Mit wimmernder Orgel und akustischer Gitarre gesteht der Erzähler seine Liebe – und gibt im gleichen Atemzug zu, dass er vor allem Aufmerksamkeit braucht. Die Frage, ob menschliche Emotion längst zu billiger Bildschirmware geworden ist, schwebt dabei wie ein stiller Vorwurf über dem ganzen Song.

Nicht jede Melodie des Albums hinterlässt einen bleibenden Eindruck, und harmonisch bleibt die Band manchmal auf bekanntem Terrain. Doch das tut dem Gesamtbild kaum Schaden.

„The Entertainment“ ist ein kohärentes, düsteres und dabei seltsam hoffnungsvolles Werk – mit dem stillen Appell, das Handy wegzulegen und Musik dort zu erleben, wo sie hingehört: live, laut und gemeinsam.

Die mobile Version verlassen