Es war wohl ein wenig optimistisch, den Leipziger Rainbirds-Auftritt im 3.600 Leute fassenden Haus Auensee zu planen, denn obwohl mit „Blueprint“ über Nacht eine ganz großen Adresse im Business, war die Band um Katharina Franck als Gegenentwurf zum Mainstream mit der Poesie ihrer Arrangements in kleineren Sälen immer besser aufgehoben, als in den ganz großen Hallen.
Insofern war der Kupfersaal in der Innenstadt ein passender Rahmen, in dem sich am gestrigen Dienstag augenscheinlich mehrheitlich Musikfreund*innen trafen, die weite Teile ihres Werdegangs „Through The Web Of Time“ in Echtzeit verfolgten.
20:15 Uhr betrat die erweiterte Originalbesetzung – deren Kern bereits auf Einladung der FDJ in 1988 die Radrennbahn Berlin-Weißensee bespielte – inklusive des gänzlich allürenfreien Rod González (Die Ärzte), der die Kolleg*innen einst – quasi für „unrockbar“ haltend – verließ, die Bühne und unterstrich in den folgenden gut zwei Stunden nachdrücklich, was Katharina Franck vorab mit „die besten Rainbirds, die es je gab“ ankündigte.
Bereits mit dem Opener „It`s All Right“ erwies sich der Locationwechsel als Glücksgriff, unwahrscheinlich, dass die limitierte Akustik im Auensee-Venue am Stadtrand die feinen Nuancen von Ulrike Haages Piano oder die Details im Zusammenspiel der über alle Zweifel am handwerklichen Know-how erhabenen Rhythmusgruppe sowie der in ihrer Strahlkraft ungebrochenen „One Voice“ am Mikrofon wiedergegeben hätte.
Die repräsentative Reise durch den Backkatalog der Rainbirds ließ kaum Wünsche offen. Vom poppigen „Not Exactly“ über das experimentell-jazzige „Two Faces“ aus der Zeit unmittelbar nach dem ersten Bandcrash Anfang der 90er, hin zum enthemmt krautrockenden „A Waltz For Jane“ und der zeitlos-leichtfüßigen Indie-Perle „No Greater Love“ bis zum episch-ausufernden „Sea Of Time“ – im komprimierten Konzertformat war es beeindruckend, wie breit das Ensemble in den letzten 40 Jahren musikalisch aufgestellt war.
Zwischen der Musik gab es die zugehörigen Anekdoten zum Werdegang der Rainbirds, den Veränderungen im Line-Up und der Inspiration für die Stücke, sprach Franck vor „On The Balcony“ über eine sich im Laufe der Jahre ändernde Sicht auf die Dinge und schlug per „Nowhere To Go“ die Brücke zwischen Coming-of-age-Emotionen und der wenig euphorischen Gegenwart.
Alles war unterlegt von der puren Spielfreude der je nach Anforderungen der Setlist aktiven Instrumentalist*innen, die bis hin zu einem Werner-Neumann-Bewerbungssolo für Neil Youngs Crazy Horse reichte.
Die üppigen Zugaben startete Franck solo mit ihrer Akustikgitarre via „Seven Compartments“ und erreichten mit ihrem Referenz-Hit „Blueprint“ von 1988 den Siedepunkt – drei Minuten Musikgeschichte, in denen es niemanden auf den Stühlen hielt.
„Love Was Already There To Be Found“ titelt einer ihrer an diesem Abend nicht gespielten Songs: die Liebe füreinander mussten Band und Publikum in Leipzig nicht lange suchen – „Todos Contentos Y Yo También“!

