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The Haunted Youth – Boys Cry Too

Das Dream-Pop-Wunderkind aus Belgien hat etwas Lust auf Krawall: „Boys Cry Too“ stilisiert The Haunted Youth – das Projekt von Joachim Liebens – weiter als Meister der Atmosphäre, dieses Mal aber mit mehr Hang zur Explosion. Ein ausgereifter Mix aus Zeitgeist und Nostalgie.

Songtitel wie „Deathwish“, „Forget Me“, „Murder Me“ oder „Hurt“ schubsen beim Lesen erstmal direkt in die Emo-Hölle der 00er Jahre. Passend, dass ein weiterer Titel direkt „Emo Song“ genannt wurde. Gut, mit Screamo, tief hängenden Gitarren und sonstigen Szene-Klischees hat The Haunted Youth nur marginal Berührungspunkte.

„Boys Cry Too“ wirft sich dafür kopfüber in tiefe Melancholie, die aber noch anders als auf dem gefeierten Debütalbum „Dawn Of The Freak“ (2022) in Frustration kippen kann.

The Haunted Youth sind schon seit den ersten Gehversuchen als Soloprojekt von Liebens dem Synth-Pop und Wave der 80er Jahre verschrieben, die Gitarrenwände sind mit mehr Echo beklebt als Robert Smith Kajal für eine durchschnittliche Tour verbraucht.

Das bleibt auch weiterhin das Markenzeichen dieser Band, die sich damit zur Welle aus Acts wie Schramm oder auch Shoegaze-Hypes wie DIIV gesellt.

Jetzt trauen sich Liebens‘ Timbre und seine Gitarren gleichermaßen zumindest ein wenig mehr ins Rampenlicht – wie im finsteren „Deathwish“ oder dem fast schon hymnischen Pop-Punk-Ausflug „Forget Me“.

Bei „Castlevania“ scheppern die Gitarren in bester Noise-Manier durch die Lautsprecher und „Wake Up“ stellt dem düsteren Unterton losgelöste Background-Chöre zur Seite.

Auf Social Media würde man sagen: It’s A Vibe. Alle 11 Songs des Albums packen Hand in Hand an, um ein Gesamtkonzept auf die Bühne zu bringen. Die gute Nachricht: Das klingt wie aus einem Guss und ist definitiv eine Platte zum Durchhören.

Die schlechte Nachricht: Gerade in der Albummitte zerfasert die Mischung aus mäandernden Gitarren und verschwommenem Gesang etwas zu sehr ins Nichts und auch die 100%ige Ausrichtung auf Selbstzweifel und mentale Abgründe muss man über diese Spieldauer wollen.

Wer sich trotz warmer Temperaturen ein Herbst-Album mit einer Atmosphäre zum Durchschneiden wünscht, muss aber nicht länger suchen! „Boys Cry Too“ ist der Soundtrack für die Tage, wo schon das Fühlen selbst schwerfällt.

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