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Vince Staples – Cry Baby

Ein dickes Baby prangt auf dem Cover; auf dem Kopf eine einzelne blonde Locke, als Windel ein zusammengeheftetes star spangled banner. Und dem Albumtitel entsprechend weint es mit dem ganzen Körper. Die Symbolsprache des Vince Staples ist ungefähr so kryptisch wie ein Malen-Nach-Zahlen-Bild.

Mit seinem siebten Studioalbum „Cry Baby“ zieht der Rapper aus Long Beach, Kalifornien auch die Deutlichkeit der Musik an. Die Zeit zum Kopfnicken ist vorbei, jetzt muss es eine Stufe härter zugehen.

„Während die Welt in Flammen steht, habe ich beschlossen, dieses Album zu veröffentlichen“, betont Staples. Aus seiner lyrischen Perspektive brennt natürlich vor allem die Heimat, aber natürlich kann sie den Rest der Welt mit ins Verderben ziehen. Also doch noch kein Anlass für durch und durch apokalyptische Klänge.

Die stilistische Bandbreite von „Cry Baby“ ist größer als auf den Vorgängeralben und lässt sich nicht mehr nur als Hip-Hop fassen. Verschiedene Spielarten gitarrenlastiger Musik liefern hierbei die Stilmittel der Wahl:

Über knusprigen Basslines und leicht schrammelnde Gitarren rumpeln Beats, die mehr mit Post-Punk als mit Trap zu tun haben (zum Beispiel in „The Running Man“ und „Only In America“). Zu den Sleaford Mods fehlt an manchen Stellen nur noch der nölende britische Akzent.

In „The Big Bad Wolf“ nimmt sich Staples doch noch die Gelegenheit raus, über einen Groove aus Vinyl-Scratches und LoFi-Schlagzeug seine flinken Flow-Wechsel zu demonstrieren.

Und wieder wird das politische Anliegen so gut wie buchstabiert: „Once upon a time not long ago / Cops shot the kid“, tönt es im Refrain von einer springenden Platte. Der Song bleibt im Gesamtbild zwar ein Ausrutscher, aber trotzdem ein Highlight. Dass es unter Künstler*innen seit geraumer Zeit in ist, die besten Songs auf zwei Minuten zu beschränken, ist in diesem Fall also besonders frustrierend.

Mit dem, an eine Gorillaz-B-Seite erinnernden Song „7 In The Morning“ rutscht Staples zum Ende nochmal stilistisch in eine andere, aber ebenfalls bereits gewohnte, Richtung aus. Und wieder liefert er dabei ein Highlight. Die Experimente mit Alternative-Rock-Klängen überzeugen im Gegensatz dazu zwar als Gesamtpaket, jedoch bleiben die stärksten einzelnen Songs die, in denen Vince Staples seine Rap-Stärken am direktesten ausspielen kann.

Um einen Rückschritt zum gewohnten Stil nicht als wünschenswerte Schlussfolgerung hervorzuheben, sei hier noch gesagt, dass Staples sicherlich auch die noch härteren musikalischen Gefilde gut stehen würden. Damit hätte er eine noch breitere Palette zum Ausprobieren und könnte außerdem Genrekollegen wie Denzel Curry und Ho99o9 bei deren Hardcore-Eskapaden Gesellschaft leisten.

Der Ernst des Weltgeschehens würde diese Steigerung zumindest nahelegen.

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