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Zoh Amba – Eyes Full

Vor vier Jahren sorgte Zoh Amba mit der Veröffentlichung ihres Debütalbums „O, Sun“ für viel Aufsehen in der Free-Jazz-Szene. Das Tenorsaxofon war ihr Markenzeichen. Der wilde und ekstatische Umgang mit dem Instrument war vielen Branchenfreunden neu.

Im Sommer 2026 präsentiert uns die eigenwillige US-Amerikanerin nun eine neue Facette ihres beeindruckenden Könnens.  Ihre nicht immer ganz einfache Kindheit in ihrer, im bible belt gelegenen, Heimat Kingsport, Tennessee vor Augen, lädt die Songwriterin zu einer Reise in die Tiefen ihres Seelenlebens.

Wenn Zoh Amba in der Single „Another Time“ den Refrain anstimmt und voller Überzeugung und Leidenschaft in Höhenbereiche vorstößt, für die ihre beinahe kindliche Stimme nicht wirklich geeignet scheint, krampft sich das Herz des Hörenden zu und die Augen werden feucht.

Mal singt sie, mal knurrt sie und mal quiekt sie auch ein bisschen. Zoh Amba folgt keinen gängigen Richtlinien. Das komplette Album wurde live und ohne Overdubs aufgenommen, es geht musikalisch einzig und allein um den Moment.

Zerbrechlich und roh kommt der Titeltrack „Eyes Full“ daher. Es geht um innere und emotionale Überforderung. Crunchiger Indie-Rock vereint sich mit noisigen Auswürfen aus dem Folk-Bereich – authentisch und eigen, definitiv nichts für die Masse.

Auf der Suche nach Zugänglichem bedarf es viel Konzentration und auch Geduld. Manchmal zupft sich die Gitarre schnell ins Ohr, aber Zohs Stimme weigert sich vehement („OCD“). Manchmal lässt die berstende Geräuschkulisse einfach nichts zu („Dead End Street“).

Die Wertschätzung für die Eigenständigkeit des Ganzen bleibt auch im weiteren Verlauf des Albums ungebrochen. Wem es bei Folkmusik aber auch um die Melodien geht, der ärgert sich manchmal darüber, dass die Urheberin einfach konsequent bleibt.

Das Fundament von „Southern Soil“ beispielsweise hat durchaus Ohrwurm-Potential. Mit ihrem markanten Gesang grätscht Zoh Amba aber impulsiv dazwischen.

So bleibt am Ende ganz viel Bewunderung übrig, für eine Ausnahmekünstlerin, die ihren eigenen Weg geht und auf diesem auch völlig zurecht gefördert und unterstützt wird. Ein bisschen schade ist es aber trotzdem, dass die vielen nachhaltigen und schönen Ansätze dann doch irgendwann dem „Konzept“ zum Opfer fallen.

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