Website-Icon MusikBlog

Arab Strap – Half-Told Tales

Künstlerfoto: Arab Strap

Aidan Moffat und Malcolm Middleton feiern in diesem Jahr fast 30 Jahre Arab Strap – und statt sich für das Jubiläum auf eine Nostalgietour zu begeben, liefern sie mit „Half-Told Tales“ ihr neuntes Studioalbum ab. 14 Songs, aufgenommen mit Langzeitweggefährte Paul Savage, und offenbar mit der Attitüde „Warum sich zurückhalten, wenn man auch einfach mal alles rauslassen könnte“.

Und tatsächlich: Die Liste der Dinge, über die man sich beschweren kann, hat auf diesem Album textlich kein Ende. Das Internet, die Regierung, das Älterwerden, Schönheitsideale, die Wellness-Industrie… Man erkennt ein Muster.

Der Opener „I Get Noise“ sehnt sich nach Ruhe und Stille, bekommt aber musikalisch das genaue Gegenteil serviert, während Moffat sich nebenbei über Internet-Slang lustig macht – jazzig, rockig, herrlich selbstironisch.

Gleich danach folgt „You You You“, eine funkige Disco-Ode an die eine Person, die alles Beschissene im Leben wieder aushaltbar macht – nebenbei einer der Songs, in denen die Band die vierte Wand durchbricht.

Textlich pendelt Moffat zwischen Intimität und bodenlosem Sarkasmus. „Be A Man“ zeigt die zärtliche Seite: Der Song rechnet mit der toxischen Manosphere des Internets ab – gerichtet an den eigenen Sohn: „There’s no hurry to be a man“, singt er, und trifft damit wohl bei allen Eltern unter den Hörer*innen einen Nerv. Es ist, bei aller Schlichtheit, eine der schönsten Melodien und einer der emotionalsten Momente des Albums.

Musikalisch bleibt sich die Band dabei erstaunlich treu und probiert trotzdem einiges aus: Spoken Word, treibende Drums, krachende Gitarren, viel Bass, viel Rhythmus, hier und da Synthesizer und ab und zu ein Saxophon, das sich zu Wort meldet.

In „Fighting For You“ wird es dann punkig und zynisch: eine Abrechnung mit Rechtspopulist*innen und der Mär von den guten alten Zeiten.

„Gape“ schlurft gemütlich mit fetter Basslinie und Trip-Hop-Drums durch den Raum, während Sänger Moffat mit seinem breiten schottischen Akzent vor sich hin murmelt.

In „Basic Physics“ spiegeln asymmetrische Rhythmen und Midwest-Emo-Gitarren das Hin und Her des Textes, und in „Sunsong“ wird es fast akustisch und erstmals mehrstimmig – ein hoffnungsvoller Aufbruch.

Der Zorn sitzt dabei eher vorne im Album, später wird es nachdenklicher: In „Fragments“ fällt schließlich die titelgebende Phrase, und im Schlusstrack „Beats Per Minute“ relativiert die Band Zeit und Raum so poetisch, dass am Ende sogar das letzte Wort der Zeile „We only have this moment, and it’s already gone“ einfach fehlt. Auch das bleibt also ein half-told tale.

Unterhaltsam und tiefgründig zugleich, wütend und komisch in einem Atemzug – Arab Strap so, wie man sie kennt und liebt.

Die mobile Version verlassen