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Bloc Party – Anatomy Of A Brief Romance

Künstlerfoto: Bloc Party

In Sachen Indie-Rock sieht die Jahresbilanz bisher ziemlich mäßig aus. Die wirklich guten Alben lassen sich an einer Hand abzählen, und auf alle paar passablen Vertreter kommt auch mindestens eine große Enttäuschung. Ring frei für die Genre-Giganten Bloc Party, dieses Verhältnis noch ein wenig unausgeglichener zu machen.

Vielleicht ist es das zunehmende Alter, das zuletzt Bands wie Voxtrot, Madsen und Kasabian daran gehindert hat, mitreißende Songs zu schreiben. Dass Bloc Party auf ihrem siebten Album „Anatomy Of A Brief Romance“ textlich eine kurze wie intensive Liebesgeschichte sezieren wollen, gibt nun also Anlass zur Sorge.

Denn wie will man so eine Romanze glaubhaft verhandeln, wenn man bereits verheiratet ist und Familie hat? Versuchen Kele Okereke und seine Mitstreiter es mit Reife, klingt alles wahnsinnig langweilig, und verzichten sie ganz darauf, werden die Texte schnell albern. Sie können nur verlieren, und tun dies an auch an allen Fronten.

Erschwerend kommt hinzu, dass das Klangbild ebenso unausgegoren wirkt. Häufig dominieren elektronische Elemente: Stumpf stampfende Trap-Drums in „Love Bombs“, club-taugliche Synthesizer-Arpeggios in „Now We Can’t be Friends“, und die Gesamtheit von „Eulogy“, die nach einer Kreuzung aus House-Parodie und depressiver Fahrstuhlmusik klingt.

Elektronische Klangerzeugung bietet fast unbegrenzte Möglichkeiten für interessante Produktionen; hier klingt es jedoch so, als wäre sie nur zur Kostensenkung eingesetzt worden. Die typisch instrumentierten Songs liefern im besten Fall stabile Kopfnicker („Worst Birthday Ever“), im schlimmsten Fall machen sie sprachlos betroffen („Pigwig“ mit seiner unfassbar nervigen süß-fröhlichen Grundstimmung).

Über dieses wackelige Klanggerüst spinnt Kele seine Monologe zwischen Post-Punk-Dringlichkeit und Poesiealbum-Vortrag. Wenigsten scheint er selbst überzeugt von dem, was er und seine Band da fabrizieren.

Vielleicht werden jugendlicher Leichtsinn und die dazugehörige Energie überschätzt. Vielleicht ist es Bloc Party auch einfach egal, dass sie nie wieder so cool sein werden wie vor 20 Jahren. Aber es bleibt schade, denn nach diesem Totalausfall vergeht sogar die Lust, sich „Silent Alarm“ nochmal anzuhören.

Hoffentlich fangen sich Bloc Party bei der nächsten Veröffentlichung wieder. Zur Zeit sieht es allerdings so aus, als würden alle 2000er-Indie-Rocker kollektiv ihr Können verlieren, sofern es denn vorhanden war.

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