„Kein Pardon“ scheint angesichts gesellschaftlicher Verwerfungen das Gebot der Stunde, sich nicht zur Gewaltphantasie à la „Schunder-Song“ (die ärzte 2006) hinreißen zu lassen und „Ein Lächeln Im Gesicht“ zu behalten, ist nicht selten herausfordernd.
Wenn diese Gemengelage subtil und trotzdem unmissverständlich, dazu mit Contenance und Witz in krachende Melodien verpackt wird, kann Farin Urlaub nicht weit sein und dass sein neues Solowerk daneben wie meistens mit einem Bildungsauftrag unterwegs ist, versteht sich.
Wo OMD die „Maid Of Orleans“ im verklärten Synthie-Nebel stehen ließen, gab es vorweg via „Sie“ die Weltgeschichte um Jeanne d`Arc direkt an der Supermarktkasse und auch der Rest der Vorveröffentlichungen ließ erkennen, dass der Berliner mit 62 Jahren musikalisch wie verbal kein Stück von seinem jungenhaften Esprit eingebüßt hat.
Bela B sagte einst über ihn, dass regelhaft übersehen wird, was für ein hervorragender Gitarrist sein Kollege ist, und auf seinem Instrument liefert Farin Urlaub über sein fünftes Studoalbum hinweg dafür eine ganze Beweiskette.
Flotte Indie-Akkorde sind gefragt, viel öfter aber pure Lautstärke, die bis zur Speed-Metal-Adaption „So Sehr“ reicht, dazwischen findet sich alles von Punk bis Pop, hat „999“ Mariachi-Flair und wird „Himmel“ von gregorianischen Gesängen eingeleitet – insgesamt, dem Namen des eigenen Labels entsprechend, ein auditives Mischgemüse.
Der Opener „Dein Leben“ hallt sich mit harmlosen Echo ein, bevor sich dort der Protagonist qausi als „Bestie in Menschengestalt“ entlarvt, das die Titelzeile der Platte beinhaltende „Sonnenschein Im Februar“ lädt zum sich selbst genügenden Genuss des Moments ein, denn „Es Könnte Sein“ – eine Nummer mit Ramones-Gedächtnis-Intro-, dass die Welt schon morgen untergeht, in diesem Kontext ist die Devaluation von Sex bestenfalls Kollateral- denn „Totalschaden“.
Die „Alpha Centauri“ gleitet auf der Kubrick-Route durch das All, die ärzte bekommen für „Unrockbar“ mit „Irgendwas Von Bach“ ein Unklassikbar-Pendant, bis sich der Mann, der sein Hobby im Künstlernamen trägt, mit der feurigen Italo-Western-Inszenierung „Per Un Pugno Di Olive“ verabschiedet.
Wenn darin der letzte Kojote erschossen ist, können die Mundwinkel trotz schiefer Weltlage gar nicht nach anders als nach oben zeigen.

