Manchmal braucht es keine großen Neuerfindungen, um Musik wieder interessant zu machen. Auf seinem neuen Album „The Old Beloved Path“ widmet sich Jake Xerxes Fussell erneut den alten Liedern der amerikanischen Folk-Tradition – und zeigt dabei, dass auch jahrzehntealte Melodien noch überraschend viel Raum für eine eigene Interpretation lassen.
Das mittlerweile sechste Studioalbum des Musikers aus Durham, North Carolina, umfasst neun Stücke und kommt dabei auf eine vergleichsweise kompakte Spielzeit von knapp 33 Minuten.
Bis auf „No 1“ greift Fussell auf traditionelles Material zurück. Statt die Songs jedoch lediglich nachzuspielen, verändert er ihre Arrangements und gibt ihnen eine neue musikalische Perspektive.
Schon „Rock Island Line“ macht deutlich, wie Fussell mit diesem Material umgeht. Der bekannte Folksong wird mit dem alten englischen Kinderreim „Intry Mintry“ verbunden und bekommt dadurch eine ganz eigene Atmosphäre. Vertrautes wird mit etwas Unerwartetem kombiniert, ohne dass der ursprüngliche Charakter des Stücks verloren geht.
Auch musikalisch bleibt „The Old Beloved Path“ fest in der Welt von Folk, Blues und Americana verwurzelt. Akustische und elektrische Gitarren treffen auf Fiddle, Mandoline, Mundharmonika und Piano. Unterstützt wird Fussell dabei unter anderem von Isa Burke, Dominic Billett, Wayne Horvitz und Ben Whiteley, der das Album auch produziert hat.
Dabei klingt die Platte zu keinem Zeitpunkt so, als wolle sie ihre historischen Vorlagen einfach möglichst originalgetreu konservieren. Vielmehr behandelt Fussell die alten Songs wie Material, das weitergegeben, verändert und neu entdeckt werden darf. Gerade dadurch entsteht eine interessante Verbindung zwischen Vergangenheit und Gegenwart.
Besonders spannend ist, wie unterschiedlich die einzelnen Stücke innerhalb dieses Rahmens funktionieren. Während „Rock Island Line“ mit bekannten musikalischen Motiven spielt, schlägt „Boney“ deutlich ruhigere und melancholischere Töne an.
„Boll Weevil“ wiederum greift die Geschichte des Baumwollschädlings und dessen Folgen für die Landwirtschaft auf, ohne daraus eine rein düstere musikalische Momentaufnahme zu machen.
„The Old Beloved Path“ ist damit weniger ein Album über musikalische Nostalgie als über den Umgang mit musikalischer Erinnerung. Jake Xerxes Fussell bewahrt die alten Stücke nicht einfach auf, sondern lässt sie weiterleben. Wer sich auf diese ruhige und traditionsbewusste Reise einlässt, bekommt ein Album, das seine Stärke vor allem in den kleinen Veränderungen findet.

