Mwita Mataros Debütalbum setzt ganz frontal auf einige Punkte, die ihm eigentlich im Weg stehen sollten. Wie der Titel „Austrodrama“ vermuten lässt, geht es um die österreichische Heimat des Künstlers, zu guten Teilen auch im dazu passenden Dialekt.
Das Land übt erstens auf einen eingefleischten Westfalen nur begrenzte Faszination aus, und der Akzent klingt zweitens als Gesang unfassbar uncool. Die Erwartungen liegen also vorab relativ flach. Manchmal kann Musik ja aber auch Unerklärliches bewirken – In diesem Fall also, dass sich alle Voreingenommenheiten in Luft auflösen.
Was genau Mataro im Eröffnungstrack „Grüße Sie“ vorträgt, ist dank Sprachbarriere und unpräsentem Mix nicht immer verständlich, aber die Stimmung überträgt sich trotzdem. Mal leicht angepisst, distanziert freundlich, emotional ausschweifend, vielleicht eine Mischung aus allem oder auch nichts davon so wirklich. Wie genau das zusammenpasst? Da ist wohl wieder diese unerklärliche Kraft am Werke.
Österreich ist als Schauplatz in den Texten immer präsent, aber das Hauptgeschehen bleibt meistens persönlich. Mataro verhandelt Erfahrungen, Gefühlsleben, seine geistige Verfassung. Einige Songs sind schon vor Jahren als Singles erschienen und stammen aus der Zeit, in der er auch den Dokumentarfilm „Austroschwarz“, über Schwarze Identität in Österreich, gedreht hatte.
Alleine diese sehr spezifische Melange aus Stimmungen und Themen macht das Album so sympathisch. Und die jetzt schon häufig beschworene „Macht“, die nun mal auch bestimmt, ob ein Song „klickt“, zeigt sich erneut in der Verbindung aus Text und Musik:
Wenn Mwita Mataro im Titeltrack „Austrodrama“ über euphorischen Stadion-Pop singt: „Ich freue mich auf das Gespräch mit meinem Vater / Denn zum ersten Mal reden wir über mein Liebesleben / Nur wegen dir – freu‘ ich mich auf das Gespräch mit meinem T-T-T-T-Therapeuten“, dann macht das einerseits Mitsing-Laune, andererseits pumpt es auch das Selbstbewusstsein hoch. Vielleicht sollte man sich ja selbst wieder mal beim Seelenklempner melden.
Da kann man schon ein bisschen enttäuscht sein, wenn die zweite Albumhälfte energetisch nachlässt, und auch, dass viel weniger in diesem schrulligen Akzent gesungen wird.
Das klingt bestenfalls nach Verschnaufpause, aber im Grunde werden die Songs schnell zu gewöhnlich. Die erste Hälfte hingegen liefert große Pop-Momente. Auch gerne auf Dauerschleife.

