Schon auf den ersten Metern ihres neuen Albums „Stray Dogs“ erzeugen Nothing But Thieves eine ganz spezielle Atmosphäre. Hier, so ist dem metallischen Klanggewirr zu entnehmen, braut sich etwas zusammen.
„Stray Dogs“ heißt nicht nur das fünfte Studioalbum der 2012 im englischen Southend-on-Sea gegründeten Band, sondern auch das sich allmählich entwickelnde Eröffnungsstück. Bis die explosiv geschlagenen Drums erklingen, vergehen fast zwei Minuten. Was dann geschieht, ist krachendes Feuerwerk und verwinkeltes Labyrinth zugleich. Wie umherstreunende Hunde irrlichtern wir durch die bedrohliche Nacht. Das „Ooh“ von Leadsänger Conor Mason geht dabei zweifelsohne unter die Haut.
Schwere Gitarren als Konstante des neuen Longplayers erwarten uns auch in „Testosterone“. Kraftvoll nach vorne drängend überzeugt auch dieses Stück, wenngleich die Intensität des Openers nicht ganz gehalten werden kann.
Mit „Evolution“, dem dritten Stück der Platte, schlagen die fünf Briten einen programmatischen Pflock in den Boden. Statt von Revolution zu sprechen, widmet sich Mason in seinen Lyrics der Evolution, dem fortwährenden Wandel.
Dieser Wandel, der auf „Stray Dogs“ stets etwas sehr Körperliches hat, entsteht durch Zusammenschluss und Verbindung. „When I look at you, I feel my blood group change“, heißt es in „Evolution“. Begegnung erzeugt Veränderung.
Wie vielseitig diese Begegnungen sein können und mit welchen Widerständen dabei zu kämpfen ist, erfahren wir in musikalisch-verdichteter Form auf den 12, in den Angelic Studios in Oxfordshire aufgenommenen, neuen Songs.
Neben Rock-Spektakel sind jedoch auch immer wieder zurückhaltendere Klänge zu vernehmen. So darf in „If You Don’t Have Someone To Love“ Masons Stimme erfrischend in den Vordergrund treten, ehe sie später im engmaschigen Sound-Gewebe des Albums wieder eingefangen wird.
„Stray Dogs“ ist ein Werk, das von seinen Kollisionen lebt. Es ist ein Plädoyer für Gemeinschaft und Zusammenhalt. Spurlos wird dieses Rock-Album an uns wohl kaum vorübergehen.

