Würden sich Wild Beasts, Glass Animals, Asaf Avidan und Labrinth zu einem klanglichen Schicht-Dessert stapeln, hätte eine Portion einen ähnlichen Klang wie Son Lux‘ „Out Into“. Dass diese Band schon seit 2008 ihren ganz eigenen Sound gefunden hat, merkt man diesem Album in seiner schieren Klanggewalt aber an.
Aber beginnen wir von hinten: „No God Like A King“ schließt dieses intensive Album auf einer dystopischen Ebene ab. Die Synthies, die hier um die Köpfe schwirren, klingen nach bedrohlichen Drohnen, nach einer durch-technologisierten Gegenwart, nach einer akuten Gefährdung. „Just kiss the ring“ singt Ryan Lott mit seiner sonst so sanften Stimme hier sehr entrückt. Es geht um Machtmissbrauch und unsere Gegenwart.
Damit steht der wirklich fulminante Closer rein vom Setting her etwas ferner von den anderen Songs, die mit Identitäten, Heucheleien und auch immer wieder der Gesellschaft in den Ring steigen, dafür aber deutlich weniger Finsternis benötigen.
„Out Into“ entstand zwischen zwei Projekten, die Son Lux auf die Landkarte für viele Indie-Liebhaber*innen gesetzt haben: Mit den Soundtracks zu Marvels „Thunderbolts“ und dem Oscar-Preisträger „Everything Everywhere All At Once“ zeigte das Trio, wie sie mit ihrem unverkennbaren Händchen für Klangschichten ganze Welten erschaffen können.
Auch „Out Into“ ist ein Kopfhörer-Album, das pro Song gefühlt hunderte Sound-Spielereien durch die Luft schneiden lässt. Und doch ist es auch dank Lotts souligem Timbre nie ein reines Tech-Feuerwerk.
„Endlessly“ ist so ein Song, der mit seiner ganzen Hingabe in sanfte Chöre zerfließt. Ein Zustand, den man sich kurz zuvor im Wild-Beasts-Gestöber „Out Into Us“ noch nicht hätte erdenken können. Wieder anders ist das nach vorne ziehende Intro „Want You To Love Me“, das Ryan Lott als croonenden Gesangs-Gott vorstellt.
Dank der schönen Melodien funktioniert „Out Into“ also auch wunderbar ohne seine beeindruckende Sound-Welt. Mit ihr ist dieses Album nur eben ein noch schönerer Beweis, was für eine außergewöhnliche Band diese drei bilden.

