Nate Amos hat sich lange dagegen gewehrt, This Is Lorelei allzu ernst zu nehmen. Was als Nebenprojekt zu seiner Band Water From Your Eyes begann, wurde mit „Box For Buddy, Box For Star“ zur Überraschung des amerikanischen Indie-Songwritertums – bis MJ Lenderman den Song „Dancing In The Club“ coverte und Amos gar zum Zugpferd einer ganzen Szene machte.
„The Singer In My Band“, sein drittes Album unter diesem Namen und das erste für Matador, trägt die Konsequenz dieses Erfolgs im Titel: Wer öffentlich Verantwortung für seine Musik übernimmt, schreibt anders.
Amos tauscht die hyperaktive Genre-Collage früherer Platten gegen 11 Songs, die fast nur auf Gitarre, Stimme und familiärer Handschrift beruhen. Vater Bob spielt Banjo im Titeltrack, Schwester Sarah singt mehrere Refrains. Im Kreise der Familie nähert sich This Is Lorelei so dem Bluegrass- und Country-Erbe der eigenen Kindheit in Vermont an.
Sein erklärtes Ziel: alles sollte „very exposed“ klingen, keine verzerrte Stimme, kein Beiwerk. Stattdessen das Herz auf der Zunge, oder eben zum Frühstück: „I Will Eat My Heart In The Morning Light“ beherzigt all das zutiefst und streunert in ein Album, das gar nicht daran denkt, nach dem Aufstehen durchzukämmen.
Um sich direkt wieder hinzulegen, ist „The Singer In My Band“ aber auch nicht gedacht. Dafür haben die Songs einen zu konsequenten Vorwärtsdrang, wie etwa das federnde „Billy Came Back“ oder das countyeske „And I Haven’t Seen My Love In Quite A While“, das das melodische Selbstbewusstsein der Magnetic Fields zitiert, ohne deren Ironie zu kapern.
Näher an Alex G als an Cameron Winter oder MJ Lenderman, mit denen er gerade reflexhaft verglichen wird, verhandelt Amos geschickt Freundschaften zwischen Nähe und Distanz, dazu Sucht als Dauerzustand.
Was fehlt, ist die Dichte der Ohrwürmer, die „Box For Buddy, Box For Star“ so unwiderstehlich machte. Amos hat sein Songwriting-Tempo gedrosselt, zugunsten von Kohärenz und emotionaler Klarheit. Das ist die reifere, aber auch vorsichtigere Version von This Is Lorelei.

