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@ – Autosmile

Künstlerfoto: @

Victoria Rose arbeitet als Imkerin, Stone Filipczak als Programmierer. Zusammen bilden sie das Duo @ (gesprochen ‚AT‘). Kennengelernt haben sie sich in der DIY-Szene der US-Ostküste, sie veröffentlicht sonst als Brittle Brian, er solo als E.R. Visit.

Mit „Autosmile“ legen die beiden ihr zweites Album vor, ihr erstes beim Label 4AD. Es klingt unbehaglich schwebend, dissonant und trotzdem seltsam vertraut. Diese Kombination muss man erst einmal hinbekommen.

Das liegt vor allem an den zwei Stimmen. Sie flüstern, drängen und legen warme Harmonien übereinander. In „Love In The Dark“ reiben sich ihre Intervalle so beißend aneinander, dass sie fast wie ein eigenes Instrument klingen.

Darunter kreisen Akustikgitarren, Flöten und Streicher umeinander und verhaken sich ineinander. In „Bird“ wandert ein winziges Motiv durch jedes Instrument und jede Stimme, während der Text von dunklen Themen wie Tod und Suizid handelt.

Stilistisch lässt sich das Album nur grob verorten: Akustik-Folk und Indie-Pop bilden die Basis, dazu kommen die Intimität von Singer/Songwriter-Musik, jazzige Wendungen und der Hang zum Großen, den man sonst eher von Prog-Rock kennt.

„I Know You Are (But What Am I Thinking)“ startet mit hohem, dissonantem Gitarrenschrammeln, das klingt wie eine akustische Warnsirene. Dann kippt der Song jedoch in etwas ausgesprochen Liebliches: einen rhythmischen Indie-Track mit märchenhaftem Charme.

„Your Dog“, ein Song, der eine einseitige Beziehung mit der Unterwürfigkeit eines Hundes vergleicht, holt Bass und Schlagzeug wieder dazu. Mit quietschender Stimme klagt Filipczak über einem dunklen Beat, in den plötzlich melodisch helle Breaks hineinplatzen.

Erstaunlich ist, wie vielschichtig das alles klingt, obwohl es überwiegend im Heimstudio entstand. Victoria nahm ihre Parts mit einem Achtziger-Mikrofon auf, das mangels Stativ auf einer Kaffeetasse stand.

Das Debütalbum „Mind Palace Music“ von 2023 entstand noch komplett aus der Ferne, die beiden hatten dafür nie gemeinsam gesungen oder gespielt. Danach wuchs das Duo zu einer Liveband heran, und das hört man: Für „Autosmile“ holten sie sich befreundete Musiker*innen mit Cello, Violine und Schlagzeug dazu.

Wer allerdings ohne kreative Grenzen schreibt, verliert auch gern mal das Ziel. „Judgement Farmer“ und „Untitled“ rauschen vorbei, bei Letzterem passend: Was keinen Titel trägt, bleibt eben schwer im Gedächtnis.

Bei den längeren Stücken reihen sich Parts aneinander, ohne dass sich eine echte Steigerung einstellt. „Punish My Mind“ stellt lieblichen Gesang über Selbstbestrafung neben Aufnahmen schreiender Schimpansen. Das wirkt eher willkürlich als mutig.

Wie es besser geht, zeigt der Titelsong. Sechseinhalb Minuten lang wächst der Track von einer einfachen Strophe zu einem Gebilde mit immer neuen Harmonien, erzählt in obskuren Bildern vom Ende einer Beziehung und leistet sich sogar ein Gitarrensolo. Hier fügt sich alles zusammen.

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