Acht Songs, ein Album auf der kürzeren Seite: Billie Bird macht keine Umwege. Gegenüber dem Debütalbum „Incendies“ von 2023 mit seinem Synth-Pop und seiner Elektronik klingt das neue Album „La lumière sans fin des étés“ akustischer, näher und wärmer.
Das liegt vor allem an ihrer Stimme, die mal ruhig und tief, dann wieder federleicht klingt. Der Mix setzt halligen und trockenen Klang gekonnt im Wechsel ein, je nach Stimmung des Songs. Das wirkt emotional so nah, dass man sich fast fürs Zuhören bedanken möchte. Und auch ohne Französischkenntnisse findet man schnell Zugang.
Gleich zu Beginn zeigt sich, wie das funktioniert. „Je me rappelle de tout“ duftet nach einem Herbstspaziergang im Wald, mit shuffelndem Schlagzeug und gezupften Gitarren. Textlich geht es um Krieg, Exil und die Frage, wie man Geschichte vergessen soll. Rein klanglich ahnt man davon kaum etwas.
„Soledad“ knüpft mit leichter Melancholie an und öffnet sich im Refrain wunderbar weit. Schwere Themen im leichten Gewand.
Danach gibt es kurz mehr Pep: „L’amour ça fait mal“ ist flotter, bleibt aber entspannt. Der Titel heißt übersetzt „Liebe tut weh“, und genau dieses Pop-Klischee stellt der Song auf den Kopf. Im Text wärmen die Personen ihre Herzen in der Mikrowelle auf, gerade lang genug, um sich wieder zu verlieben. Liebe als Aufwärmgericht, das klingt witzig und stellt nebenbei die Frage, ob Liebe überhaupt wehtun muss.
„2661 Nuits“ wird nachdenklicher, mit dunklerem, kreisendem Instrumental und hohem, halligen Background-Gesang. „Pas BCP mais TJS“ lebt dagegen von Rhythmus und fein gesetzter Percussion, ein Song, der aus fast nichts ein Crescendo baut.
Das Highlight ist „QQNEX“: akustisch, verträumt und watteweich wie eine ferne Erinnerung. Dazwischen schieben sich kurze Clips, die nach Mailboxnachrichten von Freund*innen und Familie klingen, begleitet von Applaus und Publikumsgeräuschen. So trifft ein wehmütiges Lied auf familiäre Wärme. Aus diesem Gegensatz entsteht seine bittersüße Wirkung.
Zum Schluss wird wieder reduziert: „Dans ton royaume“ und „Mes bras vous tiennent“ bleiben nah am akustischen Kern. Piano und sparsam gesetztes Gitarrenpicking und weit nachklingender Gesang machen beide zu nachdenklichen, introspektiven Stücken. E-Gitarre und Synthesizer tauchen nur vereinzelt auf, dafür aber gezielt.
Dass Billie Bird hier ihre Community feiert, spürt man in jedem Song. Ihre Kindheit in Pflegefamilien ließ ein Licht vermissen, nun knipst sie es selbst an.
Ein kurzes Album, das nachglüht: ruhig und warm, mit Songs, die schwere Themen so zart verpacken, dass man erst beim zweiten oder dritten Durchlauf merkt, wie viel darin steckt.
Wer Lust auf Indie-Pop hat, der nah geht, ohne laut zu werden, kann hier bedenkenlos auf Play drücken.

