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Dagobert – Tier

Dagobert – Tier

Wäre es zwischen Andreas Gabalier für Österreich und Dagobert für die Schweiz zu einer Challenge um den Titel bester „Schnulzensänger aus den Bergen“ gegeben – der „Volks-Rock’n’Roller“ Dagobert hätte sie mit Abstand gewonnen.

Denn Lukas Jäger war als Seismograph der Erschütterungen im Zwischenmenschlichen stets mehr als Vertreter seines einst selbst eröffneten musikalischen Sub-Genres. Als Experte für praktische Lebenshilfe im Umgang mit der Liebe, füllte er mit von Eigenerfahrung gefluteten Titeln seine frühen Alben, bevor sich im Karriereverlauf sein Themen-Portfolio auf die Komplexbetrachtungen des großen Ganzen ausweitete.

Diesmal beleuchtet der in Berlin ansässige die Wechselbeziehung Mensch-Tier-Umwelt, die in neun Kapiteln vom, zwischen den Zeilen und Gepflogenheiten forschenden, Musiker von der Spitze der Nahrungskette her aufgerollt wird.

Sein erstes – vom musikalischen Weggefährten Robert Völkert beinahe allein eingespieltes – Rock-Album lässt die Saiten sprechen: satt rockend in der Wesensbeschreibung des Homo sapiens via „Hier Kommen Die Menschen“, hymnisch schwingend zur die Isolation in der Menge analysierenden „Der Einsamste Traum“, schmissig in der 4-phasigen Identitätsfindung „Geh In Diese Welt“.

Die Gleichheit-Brüderlichkeit-Ode „Nachbarn Im Herzen“ gerät als verschleppte Ballade gerade in Zeiten der gesellschaftlichen Spaltung zum wegweisenden Song; wird es hier vielstimmig, generiert eine identische Kraft wie in „Die Internationale“, eine Vision, die als „Ewiger Flug“ im Speed-Pop-Modus ihre Fortsetzung findet – schließlich sitzen alle im selben Raumschiff.

Wer mit der Beschreibung von „Panama“ – Inspirations- und Entstehungsort seiner siebten Auflage „Dagobert und die wahre Musik vom südlichen Blütenland“ – als Öko-Paradies hinter dem Regenbogen, den Staat nicht auf die Pole-Position der Sehnsuchtsorte setzt, weilt wahrscheinlich nicht mehr unter uns.

Ein INXS „Beautyful Girl“ Gedächtnisriff und ein bewegender Kindrereim „Goldene Wolken ziehen auf, nackte Esel sitzen drauf“: poetischer als mit dem Titeltrack kann man den Wunsch zur Tierwerdung nicht ausdrücken, Jeff Goldblum hätte sich diesen spirituell-philosophischen Weg, gesäumt vom engelsgleichen Chor und einem opulenten Arrangement, während seiner Metamorphose vom Mann zur Fliege vermutlich gewünscht.

Durch Dagoberts große Kunst wird die Floskel „Ich werd zum Tier“ mit Inhaltsschwere geadelt.

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