DIIV haben schon Genres in den Wind zerstäubt, als wir noch nicht im Post-Genre-Zeitalter angekommen waren. Dass die Hype-Band auf ihrem fünften Album „ZIRP!“ noch weiter in den Äther aus Ungereimtheiten eintauchen und gleichzeitig so hittig klingen wie noch nie, ist ein Geschenk für alle Alternative-Fans.
Als sich Zacharay Cole Smith, Andrew Bailey, Colin Caulfield und Ben Newman mit dem britischen Pop-Produzenten A.G. Cook (Caroline Polachek, Charli XCX) einschlossen, war die Idee eigentlich, die vorliegenden Demos zur Unkenntlichkeit zu zerstückeln und im „Screamadelica-Style“ ein Remix-Album zu erstellen. Cook war davon aber schnell nicht überzeugt und begeisterte die Band stattdessen dafür, mit jedem Song neues Terrain zu eröffnen.
Dabei stoßen DIIV auf Definitionen von dem, was Pop noch sein kann, die im bisherigen Vokabular der US-Amerikaner noch fehlten. Sänger Zachary Cole Smith ist nicht länger hinter dem Shoegaze-Nebel versteckt, die Sound-Schichten verlieren ihre nebulöse Allgegenwärtigkeit, die Songs atmen, die Sounds klingen so klar wie nie, ohne einen gewissen Grunge-Fuzz im Mix zu verlieren.
„ZIRP!“ zupft inhaltlich im Rocksaum von einer durch technologisierten Gegenwart, streift Themen von Palantir bis generative KI und ist bei all dieser thematischen Intensität doch auch immer noch etwas uneindeutig und macht einen großen Bogen um Phrasenschweine aller Art. Wer „Evangelizer“ oder „Us Against You“ hört, erlebt DIIV dennoch so politisch wie noch nie.
Im Dream-Pop von „When The Glow Came For Us“ steckt dieselbe Melancholie, die dann auch „Dare Me“ in elektrischem Grunge auffängt oder die Autotune-Klavier-Ballade „Trillions“ umkreist.
„ZIRP!“ wird damit zu einer Art Hyper-Pop mit drastisch reduziertem Puls. Es flickert und flackert immer wieder wie ein elektronisches Kaleidoskop überall, anders als bei anderen Genre-Vertreter*innen bleiben DIIV aber stets melodisch. Da kann die Oberfläche noch so sehr wabern: Das ist und bleibt Pop.
Wenn es dann mal ausbricht, wie in den Fuzz-Gitarren von „My Star“, wird „ZIRP!“ nicht nur melodisch, sondern auch im Sound ein bahnbrechendes Erlebnis. Muss man diese Saison gehört haben.

