Wer sich von einem Album mit dem Titel „Skin And Blisters“ eine einheitliche musikalische Richtung verspricht, dürfte bei den Disgusting Sisters schnell eines Besseren belehrt werden. Zwischen druckvollen Bässen, elektronischen Spielereien und ruhigeren Momenten wechseln die beiden Schwestern auf ihrem Debütalbum die Stimmung, ohne ihre freche Art zu verlieren.
„Skin And Blisters“ nimmt sich nicht allzu ernst, hat aber durchaus etwas zu sagen. Schon der Opener „Sorry Mister“ macht klar, dass hier nicht nach den Regeln anderer gespielt wird. Schnelle Basslinien und treibende Drums geben dem Song ordentlich Schub. Die Botschaft bleibt dabei unmissverständlich: Niemand muss sich einem Mann unterordnen, nur weil er glaubt, Ansprüche stellen zu dürfen.
Die Disgusting Sisters, bestehend aus Josephine und Julianna Hopkins, die tatsächlich Schwestern sind, verpacken ihre Haltung in einen Song, der nicht lange um den heißen Brei herumredet. Statt einer großen Grundsatzdiskussion gibt es eine klare Ansage – selbstbewusst, direkt und mit ordentlich Energie.
Auch „Not Cool“ verbindet eine klare Aussage mit einem Sound, der sich schnell festsetzt. Der Song startet etwas leichter, kritisiert aber, wenn Menschen auf der Stelle treten und sich selbst nicht ehrlich gegenüberstehen. Jules und Josie verpacken das Thema, ohne belehrend zu wirken. Ihre Energie macht den Track eingängig und sorgt für Ohrwurm-Potenzial.
Dass „Skin And Blisters“ nicht nur aus Selbstbewusstsein und frechen Ansagen besteht, zeigt „Waste Of Space“. Verzerrte E-Gitarren treffen auf Sounds, die beinahe an die Geräuschkulisse eines Science-Fiction-Films erinnern. Damit hebt sich der Song deutlich von den vorherigen Tracks ab. Gerade die ungewöhnliche Produktion passt aber ins Gesamtbild. Inhaltlich geht es um Menschen, deren schlechte Eigenschaften sie zu einer Belastung für andere machen.
Eine andere Seite des anglo-französischen Duos zeigt „Fence Sitter“. Hier geht es weniger um die Abgrenzung von anderen als um die Verbindung zwischen den Schwestern.
Der Albumtitel bekommt dadurch eine persönliche Bedeutung: „Skin And Blisters“ beschreibt ihre enge Verbundenheit, das Teilen von Geheimnissen und das Wissen, füreinander da zu sein. Zwischen all den frechen Tönen steckt also auch ein Album über Zusammenhalt – und darüber, wie viel es bedeutet, jemanden an seiner Seite zu haben.
Mit „Frankenstein“ schlägt die Platte schließlich leisere Töne an. Der Song wirkt melancholischer und beinahe zerbrechlich. Erinnerungen an eine vermisste Person werden wie einzelne Teile zusammengesetzt. So entsteht der Versuch, etwas Verlorenes noch einmal zum Leben zu erwecken. Der ruhigere Gesang macht diese Seite der Disgusting Sisters greifbarer und bildet einen Kontrast zu den energiegeladenen Stücken.
„Skin And Blisters“ lebt von seinen Gegensätzen. Nicht jede musikalische Idee dürfte jeden Geschmack treffen, denn die beiden probieren vieles aus. Doch gerade ihre Bereitschaft, zwischen bissigem Humor, klaren Ansagen und verletzlicheren Momenten zu wechseln, macht das Album interessant.
Die Disgusting Sisters müssen sich nicht auf eine Rolle festlegen: Sie können austeilen, herumalbern und im nächsten Moment etwas Persönliches erzählen. Genau diese Mischung gibt ihrem Debüt seinen eigenen Charakter.

