Es steckt in „HUMANiSE“, es steckt in „DIGITiSE“, und es benimmt sich wie ein blinder Passagier unter Großbuchstaben. HAAi zerrt den Vorgänger kurzerhand in den Club, das kleine i tanzt wieder mit.
Die Produzentin aus dem westaustralischen Karratha hat sich ihren Ruf hinter dem Pult erspielt. Vor fast genau einem Jahr erschien mit „HUMANiSE“ ein Album über Mensch und Maschine, der Titel von einem Plug-in-Preset abgeleitet, das Synthetisches menschlicher klingen lassen wollte. Aus diesem Witz wird jetzt eine Haltung.
„DIGITiSE“ sollte zunächst nur die Remix-Begleitung dazu werden. Dann wuchs das Projekt schneller als geplant. HAAi selbst spricht vom „bigger, ravey sibling“. Tatsächlich wirkt die Platte wie der jüngere Bruder, der sich die Klamotten der großen Schwester leiht und damit erst um 4:00 Uhr morgens nach Hause kommt.
Die zehn Tracks hat sie auf Tour vor Publikum getestet. Was im Raum nicht auf Anhieb zündete, wurde nachjustiert, Breakdowns wanderten, Grooves wurden nachgeschärft.
Man kann diese Feldforschung greifen. „Printerlude“ rattert glitchig wie ein Bürodrucker. „Ignition“ mit freundlicher Unterstützung von Echonomist hebt in Richtung euphorischer Ambient-Elektronik ab.
„HUMANiSE Radio“ wiederum funkt auf einer Frequenz, die irgendwo zwischen Orbital und Underworld in den Neunzigern liegt.
Der schönste Moment kommt ganz am Ende. In „Talking Walls“ singt ein Kinderchor aus Medellín eine Melodie aus „Voices“ vom Vorgängeralbum neu ein. Ausgerechnet auf der digitalen Platte kommt hier ihr größter humaner Moment.
Das machte „DIGITiSE“ letztlich zu einem Album, das eigentlich in den Club gehört und trotzdem auch zu Hause funktioniert. Ein schwebender Rave fürs Wohnzimmer.

