Mit „Basilikum“ zeigen Holy Tongue, dass Dub mehr sein kann als Echo, Bass und satte Beats. Das zweite Album des Londoner Trios bewegt sich zwischen hypnotischen Percussion-Sounds, psychedelischen Klängen, Post-Punk, Trance und experimentellen Elektronik-Vibes – und klingt dabei weniger wie eine Platte aus einzelnen, zusammenhängenden Songs als eine große Sound-Reise durch eine abgespacete, auditive Kunstausstellung.
Im Zentrum steht das rhythmische Zusammenspiel von Valentina Magaletti, Susumu Mukai und Al Wootton. Ihre Musik entsteht aus Improvisation, wird anschließend jedoch so explizit bearbeitet, dass aus spontanen Momenten organisch wirkende Soundstrukturen entstehen.
Auf der einen Seiten klingen die Tracks komplett zufällig und aus dem Moment entstanden und gleichzeitig erwecken sie den Eindruck, also wären die einzelnen Töne und Instrumente mit Bedacht platziert worden.
Schon der kurze Opener „I’ve Stood In This Room For A Long Time Before“ funktioniert wie das erste Bild, der erste Raum der imaginären Klanginstallation.
Danach entfaltet sich „Basilikum“ zunehmend: „Coca“ und „Bloom In D Minor“, beide mit Beiträgen der Sängerin Dali de Saint Paul, erweitern den ansonsten hauptsächlich instrumentalen Sound um eine Stimme, die die Zuhörenden fast heimsuchen zu scheint.
Das über zehnminütige „Orange 28“ sticht besonders heraus und zeigt Holy Tongue in ihrer ausdauerndsten Form: Der Rhythmus wird nicht einfach wiederholt, sondern verändert sich konstant innerhalb des Songs.
„Basilikum“ ist keine leichte Hintergrundmusik und auch keine gewöhnliche Clubplatte. Was für die einen eine Schwäche des Albums sein kann, ist für andere wohl dessen Stärke: Es erfordert Konzentration, Neugier und ein aktives Auseinandersetzten mit den außergewöhnlichen, experimentellen Sounds.
Es ist ein Album, das sich zwischen Traum, Meditation, Bewegung, Intimität und Ekstase hin und herbewegt, wie eben, als würde man durch unterschiedliche (Klang)Räume einer Installation laufen.
Holy Tongue gelingt damit eine außergewöhnliche Verbindung zwischen Experiment und Tanz – eigenwillig, hypnotisch und psychedelisch.

