Nina Chuba, die im Dezember 2022 für Marteria den Abend in der Quarterback Immobilien Arena eröffnete, füllt inzwischen als Headlinerin längst selbst die ganz großen Hallen. Ob dies auch GRETA gelingt, bleibt ihr zu wünschen, auf jeden Fall hat sich die Hanseatin dafür mit einem erfrischenden Auftritt am gestrigen Sonntag in der nicht weit vom Fassungslimit gefüllten Halle wärmstens empfohlen, blieb mit Saxophon und dem Song „Utopia“ nicht nur für den Moment im Ohr.
Viel Zeit für ihr Programm blieb nicht, bereits um 20:00 Uhr fiel der Vorhang für einen Rapper, der mit Musik, Attitüde und Nahbarkeit zur Identitätsfigur für mehrere Generationen geworden ist und dato auf der „Zurück In Die Zukunft“ Tour den aktuellen und die ersten beiden Teile der Trilogie feiert, womit die durch einige Nummern von anderen Ausgaben ergänzte Setlist auf ansehnliche 30 Tracks kam.
So groß wie der Ort des Geschehens, so groß die Show des Rostockers (inzwischen – der Liebe wegen, Partnerin Natascha Kimberly steht neben ihm am Mikro – Wahlkölner), die Bässe lagen tief und die in der Luft befindlichen Arme des Publikums signalisierten ausdauernd den Willen, die Stimmung hochzuschaukeln.
Mit dem ersten Beat vom Einsteiger „9 Leben (Eins Übrig)“ brodelte der Saal und kühlte in den kommenden zwei Stunden plus Zugabe zumindest im vorderen Teil des Innenraumes nicht signifikant ab. Spätestens als kurz nach dem Auftakt der „Endboss“ auftauchte, war gemeinschaftliches Springen von Level zu Level angesagt, im Verlauf der Veranstaltung Textsicherheit bei Gassenhauer „OMG!“ und „Kids (2 Finger An Den Kopf)“ Ehrensache.
Marsimoto war bei der Party gestern leider nicht mehr dabei, sein Alter Ego schickte per „GAGA“ einen alles andere als stillen Gruß hinterher, bevor jedes „Marteria Girl“ und jeder Marteria Boy vor Ort in den Sänger*innen-Wettstreit ging und die Herren im Anschluss mit dem frischen Song „Jungs“ noch einen Gruß an alle toxischen Geschlechtsgenossen mit auf den Weg bekamen.
„Amys Weinhaus“ und „Captain Europa“ erinnerten daran, dass in seinen Texten gesellschafts- und geopolitische Themen differenziert behandelt wurden, während das Lautstärke-Niveau mit „Auszeit“ einen Peak erreichte, zu dem – zumindest vor den Füßen des Protagonisten – ein Moshpit tobte, in dem später für „Bengalische Tiger“ stilecht ein Pyro das wilde Treiben ausleuchtete.
„Gleich Kommt Louis“ stand zwar nicht musikalisch nicht im Plan, wurde aber durch die physische Präsenz seines Sohnes auf der Bühne ersetzt, der aka Luzey den Rap-Staffelstab auch zukünftig fest in den Händen der Familie halten wird und im Duett mit seinem Papa via „Platz Für Uns Beide“ und „Endlich Normale Träume“ emotionale Momente markierte.
Bis zur Übergabe ist es aber noch ein Stück hin, der Altvordere spielte derweil weiter Hit für Hit und war – unterstützt von seiner formidablen Crew um Kid Simius – nicht nur stimmlich, sondern auch physisch in Höchstform, wofür die Zuschauer*innen „PROBLEMARTEN“ liebten, bis am Ende des Hauptteils im Taschenlampenmeer die Halle die „Welt Der Wunder“ integrierte.
Noch einmal „Die letzten 20 Sekunden“ Vollgas und ein Konzert war Geschichte, das bei den Fans noch nachgehallt haben dürfte, als die Wolken längst wieder lila waren.

