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Meshell Ndegeocello – Synonym

Meshell Ndegeocello – Synonym

Meshell Ndegeocello, die Bassistin mit dem schwierigen Namen, hat sich in den letzten 33 Jahren schon ganz unterschiedliche Baustellen vorgeknöpft, zuletzt die Vertonung des literarischen Werks eines Schriftstellers. Meshell veröffentlichte ein Hip Hop-Mixtape, brachte es auf Jazz-Scheiben, ungewöhnliche Kollaborationen, ein Sun-Ra-Tribute und schwer aussprechbare Songtitel wie „Leviticus: Faggot“.

„Synonym“, der neueste Streich der singenden, rappenden und sprechenden Autorin ist, wie schon bei „Ventriquolism“ (2018), ein reines Cover-Album – aber dieses Mal kein simples. 19 Gäste trommelte sie zusammen und verteilte sie auf 15 Klassiker, bei denen Interpret*innen und Stücke eigentlich kaum zusammen passen, zumindest sind die Kombinationen nicht naheliegend.

„Don’t You Want Me“ von The Human League hätte man nicht aus dem Munde von Cat Power erwartet. Die Bassläufe Ndegeocellos und ihr Saxophon-Arrangement verleihen dem Synthie-Pop-Oldie neue Frische. Cat Powers schlaftrunkener, niedlicher und eine Spur lasziver Gesang leistet wieder ähnlich Überraschendes wie damals, als sie „Satisfaction“ von den Rolling Stones des Refrains beraubte. Genau so sollte Covern sein: Frappieren, verwundern, gar das Original an Originalität übertrumpfen. Die beiden Stimmen von Chan und Meshell harmonieren perfekt, umschlingen einander hier in einer organischen Aufgabenverteilung – wirklich interessant.

Man kann übrigens auch nur den Refrain covern und die Strophen weglassen: Beim Gipfeltreffen der Bassistinnen Ndegeocello und Laura Lee von Khruangbin klappt das in ihrer Version des Duetts „Always On Time“ von Aaliyah und Ja Rule exzellent.

Ndegeocello geht Risiken ein – manchmal verhebt sie sich. Sie bekennt sich zu etwas, das vielen Musik-Fans peinlich ist: Das Werk eines Bee Gees zu mögen. Die Gibb-Brüder schrieben „Islands In The Stream“ 1983, angelegt schon damals als Duett der jüngst verstorbenen Dolly Parton zusammen mit Kenny Rogers. Während dieser Soft-Country-Pop bis heute Pflichtprogramm aller Achtziger-Radiowellen ist, singt Meshell gemeinsam mit Chaka Khan bedrückend wässrig und auf einem belanglosen Musikbett. Schön ist nicht viel an dieser platten Schnulzen-Darbietung.

Wesentlich spannender im R&B-Bereich wirkt es dagegen, wenn Ndegeocello mit Will Smiths Tochter Willow ein genre-fremdes Stück aus dem Alternative-Rock, „Hunger Strike“ von Chris Cornells Temple Of The Dog, adaptiert, sehr ruhig, aber auch oszillierend moduliert.

Bei gemischten Cover-Alben meistens an der Tagesordnung ist Bob Dylan – hier gleich mehrmals: „With God On Our Side“ stammt von 1963, zeigt den politischen Protest-Barden. Bill Callahan und Chris Thile von Punch Brothers an der Mandoline umrahmen die Gastgeberin hier in einer schwülstigen Fassung des Anti-Kriegs-Lieds über Chemiewaffen.

Für „It Ain’t Me Babe“ von 1964 gesellt sich die 30-jährige Madison Cunningham an Meshells Seite, für eine rhythmisch zerbrochene, frei gestaltete und merkwürdig instrumentierte Version mit einer brodelnden Laut-Leise-Dynamik, die letztlich überladen, aber als Experiment interessant wirkt.

„Don’t Look Any Further“ mit Lianne La Havas ist einfach wunderschön.

Von einem weiteren Schwerpunkt, den das Album mit zwei Stücken aus Roberta Flacks Œuvre setzt, bleibt jedoch wenig haften. Meshell Ndegeocello hat zwar einen interessanten Ansatz, vergibt aber ihre Chance, Begeisterung durch konsequente Kontraste zu setzen. Zu schläfrig und oft zu nah an den Originalen verebbt „Synonym“.

 

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