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Radio Free Alice – What’s In Between

Künstlerfoto: Radio Free Alice

Wäre die alternative Musikszene Australiens ein Zoo, gäbe es sicherlich einige Bands, die sich auch in der dort vorherrschenden, harschen Natur wohlfühlen würden. Amyl And The Sniffers wären unter den Giftschlangen wohl eine der gefährlichsten, King Gizzard & The Lizard Wizard wären als robuste Überlebenskünstler am ehesten eine Art von Waran, und auch kleineren Giftspinnen wie Party Dozen, Civic und Karnivool möchte man ungerne in die Quere kommen. Inmitten dieser exotischen Menagerie sind Radio Free Alice ein weißes Kaninchen.

Das ist zwar ganz süß und flauschig, würde die direkte Auseinandersetzung mit oben genannten aber kaum überstehen. Und wer würde außerdem hunderte Meilen weit reisen, nur um sich ein Kaninchen anzusehen? Bevor diese etwas bizarre Metapher noch gänzlich aus dem Ruder läuft, erstmal ein paar Schritte zurück:

Dem Quartett aus Melbourne war in den sechs Jahren ihres Bandschaffens bereits ein gewisser Hype beschert worden. Mit nur einer handvoll EPs erreichten sie Millionen von Streams, standen im Vorprogramm von The Killers und Geese auf der Bühne, und müssen aufgrund hoher Nachfrage für eine Headline-Show in London fünf weitere Konzerte anhängen.

Worin diese flammende Begeisterung ihrer Hörer*innenschaft begründet liegt, bleibt beim Hören ihres Debütalbums „What’s In Between“ allerdings unklar. Es besteht aus 11 Songs, bei denen man nie so ganz weiß, wie man sich fühlen soll. Solche Unklarheit kann die Faszination ja theoretisch befeuern, hier irritiert es eher.

“Crying With You” pendelt zwischen verschiedenen, feinen, bittersüßen Nuancen umher, liefert aber im selben Tempo Momente zum groben Feuerzeug-Schwenken. Es fehlt nur noch das Lalala.

“Undressed” macht mit klapprigem Synth-Beat und quirligem Bass gute Laune, Sänger Noah Learmonth klingt jedoch stets wie kurz vorm Losheulen.

Radio Free Alice tangieren kurz dringlichen New Wave, nur um daraufhin vier Gänge zurück zu schalten und in Richtung süßlichem Folk-Pop zu fahren. Neben dem ständigen flachen Auf-und-Ab ist außerdem noch der Auftritt von Rachel Brown (die eine Hälfte von Water From Your Eyes) bezeichnend, die für “Big Ideas” den wohl unauffälligsten Feature-Part des Jahres beisteuert.

Die Melbourner fahren ungeniert im flachen Fahrwasser anderer Indie-Rock- und vor allem Post-Punk-Bands wie The Strokes. Mit dem Unterschied, dass deren Songs schneller zünden und länger hängen bleiben. Und dass direkter klar wird, worum es geht.

Das undurchsichtige Gemütsgemisch auf “What’s In Between” wäre höchstens noch ein gelungener Ausdruck von emotionaler Verwirrtheit. Aber auch das können die anderen Tiere im Gehege besser.

Vielleicht legen die Radio Free Alice ja derart brachiale Live-Shows hin, bei denen man dabei gewesen sein muss, um den Reiz der Band zu verstehen.

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