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Robine – Motivation

Robine – Motivation

Jede*r braucht irgendwoher Motivation. Die einen holen sie sich aus dem dritten Kaffee, die anderen aus der Bestätigung von Menschen, auch wenn sie es eigentlich gar nicht verdient haben. Robine hat für ihr Debütalbum eine andere Quelle gefunden, nämlich sich selbst. „Motivation“ klingt entsprechend: warm, funky und angenehm retro.

Im Stimmklang blitzt mal Janelle Monáe auf, und wenn Robine in die hauchige Kopfstimme wechselt, hört man Solange durchschimmern. Auch ein leichtes Déjà-vu in Richtung Lena Meyer-Landruts Debütalbum „My Cassette Player“ von 2010 kommt bei manchen Songs nicht von ungefähr:

Da ist der charmant eigenwillige Akzent im englischen Gesang der aus dem niederländischen Groningen stammenden Künstlerin, mal süß, mal ein wenig kauzig, und die Lust auf vertrauten, zeitlosen Pop, der gute Laune macht, ohne flach zu sein.

Inhaltlich dreht sich alles darum, Selbstvertrauen nicht mehr bei anderen zu holen, sondern bei sich selbst. Der Titeltrack bringt das am schönsten auf den Punkt: ein schwebender Feel-Good-Song mit funkiger E-Gitarre im Refrain.

Auch „Helium“ und „Best Day Of My Life“ leben von Groove, knackigen Drums und feinen Basslinien.

Textlich begegnen einem allerdings oft Bilder und Redewendungen, die im Pop-Songwriting längst zum Standardrepertoire gehören. Das wirkt vertraut, aber selten überraschend oder interessant.

Die Stimme der mittlerweile Wahl-Hamburgerin hat Persönlichkeit, keine Frage. Das dramatische Vibrato sorgt für Wiedererkennungswert, kann aber auch ziellos umher wandern oder gepresst klingen. Am meisten überzeugt Robine, wenn sie Druck rausnimmt.

„Change Your Mind“ ist dafür das Paradebeispiel: langsam, dunkel und verführerisch, mit leicht jazzigen Klavierakkorden, luftiger und trotzdem enorm gefühlvoller Kopfstimme im Geiste von Beyoncés „Dance For You“. Davon hätte man gern mehr gehört.

Stark sind auch die Balladen „I Know I Know“, die mit 2000er-Soul-Gestus an Rihannas „Take A Bow“ denken lässt, und das klavierbasierte „You Told Me Lies“.

Der Haken: Am Stück gehört, ähneln sich viele Songs. Beim ersten Hören fühlt sich alles gut an, hängen bleibt aber nicht jede Nummer. Besonders „Somebody“ und „Best Day Of My Life“ greifen mit abgehackten Klavierdreiklängen, Orgel, Bläsern und gestapelten Background-Vocals zu oft in die Klischee-Kiste und gehen dadurch unter.

Unterm Strich ist „Motivation“ ein starkes Debüt mit viel Potenzial. Robine hat ein Gespür für Melodien und verkauft sie mit ihrer Stimme glaubhaft. Es fehlen noch eine schärfere Nische und mutigere Texte, beides traut man ihr zu.

Und wenn sie die Motivation für den nächsten Schritt wirklich bei sich selbst findet, wie es der Albumtitel verspricht, dürfte das ein spannender werden.

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