Wer für sein Debütalbum schon mit einem Grammy-nominierten Produzenten zusammenarbeitet, hat wohl einiges richtig gemacht: Das Amsterdamer Folk-Duo Sarah Julia nahm ihr erstes Album „The Fear That This Is Real“ gemeinsam mit Philip Weintrobe (Big Thief) auf und wird mit diesem zweistimmigen Folk den Herbst für viele Indie-Menschen begleiten.
Hinter Sarah Julia stecken die Schwestern Sarah und Julia Nauta, die schon auf diversen Liebhaber-Festivals wie dem ESNS die Köpfe diverser Kritiker*innen verdreht haben. Endlich gibt es jetzt auch einen musikalischen Beweis dafür, dass all die Vorschusslorbeeren gerechtfertigt waren.
Seit 2024 veröffentlichten die beiden bereits drei EPs, die gebündelt ganz konsequent auf das Debütalbum hingeführt haben. Statt Stilbruch geht hier alles flüssig ineinander über: Sarah Julia spielen ihren verträumten, intimen, wohlig warmen Folk immer noch genau so, wie man es sich für jeden Coming-of-Age-Film wünschen würde.
Obwohl sich der Sound auf wenige Gitarren, leicht Percussions und nur dezente Sound-Ergänzungen beschränkt, bringt die stimmliche Harmonie der Nautas immer wieder neue Spannungen und Dynamiken in die klassische Folk-Luft. Sie singen gemeinsam über das Älterwerden, über Freundschaften, über vergessene und glückliche Liebe.
In seiner schlichten Schönheit hat das Album etwas Archaisches. Die Verneigung vor Songwriterinnen wie Joni Mitchell gelingt Sarah Julia ohne jeglichen Retro-Kitsch.
Die melancholische Grundstimmung bleibt über alle zehn Songs bestimmend, dafür nimmt der Sound mal eine malerische, fast schon feenhafte BOY-Eleganz an („Hyperventilating“), fließt dann in einer warmen Dusche über die Gehörgänge („She Won’t Believe“) oder windet sich in den Kopfstimmen um die großen Gefühle („Going Going Gone“).
Sarah Julia mögen den Folk nicht neu erfinden und „The Fear That Is Real“ ist rein instrumental vielleicht auch völlig unauffällig. Was dieses Debüt aber aus vielen anderen Veröffentlichungen hervorstechen lässt, ist die stimmliche Verflechtung der beiden Schwestern, die eine gewisse Weisheit und Ernsthaftigkeit in den Folk verstreuen.
Man kann für diese Saison wenig Passenderes finden.

