Hinter Tommy Lefroy stehen die beiden Musikerinnen Wynter Bethel und Tessa Mouzourakis. Beide kamen in der Hoffnung auf Erfolg als professionelle Songwriterinnen nach Nashville, Tennessee, wollten aber scheinbar doch lieber Musik für den eigenen Bedarf schreiben. Beide haben, neben ausgefallenen Namen, auch überaus sanfte Stimmen und ein offenkundiges Faible für Literatur.
Sie arbeiten seit mittlerweile neun Jahren zusammen, haben unter dem gemeinsamen Bandnamen (angelehnt an Thomas Langlois Lefroy, einen angeblichen Geliebten von Jane Austen) bereits drei EPs veröffentlicht, und konnten durch TikTok schon einen milden Durchbruch erleben. Gemessen an einer durchschnittlichen Band-Lebensdauer ist ihr Debütalbum also mehr als überfällig.
Auf den ersten Blick und ohne ungeduldig gespitzte Ohren läuft das Album allerdings recht unspektakulär durch, ohne wirkliche Hoch- oder Tiefpunkte zu offenbaren. Schön anzuhören, auch oder gerade wenn man dabei seine Wäsche bügelt. Wären Bethel und Mouzourakis nicht so raffinierte Schreiberinnen, würde es auch dabei bleiben.
Bei genauerem Hinhören finden sich jedoch immer neue kleine Haken, an denen man sich länger aufhängen kann – zum Beispiel, indem man die Texte der Bücherwürmer auf Anspielungen durchsucht und ihnen nachgeht.
So spielt der Songtitel „Angel In The House“ auf Virginia Woolf an, die in einem Vortrag meinte, man müsse den „Engel des Hauses“ – das viktorianische Ideal einer Ehefrau – bezwingen beziehungsweise symbolisch umbringen, um als Autorin frei zu sein.
An „The Precariat“ kann man natürlich auch ohne Studium der Literaturwissenschaften oder Wikipedia im Schnellzugriff Freude haben. Denn auch in Klang und Musik gibt es viel zu entdecken: Auszüge aus Woolfs Vortrag, von Bethel als ASMR-Version gehaucht, reichern den Hintergrund von „Angel In The House“ an.
„Rokeby Venus“ kreist nervös groovend um die eigene Achse, während die Stimmen der Sängerinnen wie zu einer verschmelzen. In „Slush Puppy“ grätschen Rock-Riffs zwischen die ‚Sad-Girly-Pop‘-Strophen; und wo genau die Instrumente anfangen und die Stimmfetzen in „All Things Forgiven“ aufhören, bleibt immer unklar.
Tommy Lefroy können sehr viel gleichzeitig – ob Indie-Folk, -Pop oder -Rock. Nur ergibt sich durch die Addition der Elemente nicht automatisch die Summe der Wirkungen. Das Gesamtpaket kann gar nicht mit der Menge an interessanten Krümeln mithalten, die es im Innern freizulegen gibt.
So taugt dieses Album zwar als Debüt, wenn auch fraglich bleibt, wie nachhaltig seine Wirkung ausfallen wird. Vielleicht hätten zwei weitere EPs den gleichen Zweck erfüllt.

