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Yello – Time Lab

Künstlerfoto: Yello

Die Interpretation zeitgenössischer Musik von Yello passte bisher so wenig in gängige Schubladen wie die Schweiz in die EU. Dabei bleibt es auch, wenn sich Boris Blank und Dieter Meier nun im Züricher „Time Lab“ melden und auf ihrer neuen Ausgabe Tradition und Vision unter dem Motto „To the Future through the past“ verbinden.

Einsteiger „Around The Sun“ dreht erst einmal eine leichtfüßige Runde Elektro-Reggae, für die Soundingenieur Blank, der sich wie eh und je zum Arrangieren in seinem Studiokloster verschanzte, den noch juvenilen Gesangspart von seinem Partner Meier, der inzwischen längst im Leonard Cohen-Timbre angekommen ist, aus jahrzehnte-altem Material gefischt hat.

Mit elegante Noir-Jazz-Komponenten enwickelt „Dancing Flame“ einen hynotischen Sog, für den wesentlich die Stimme von Genre-Größe Malia – der Track erschien bereits auf der diesjährigen Neuauflage vom preisgekrönten „Covergence“, ihrem gemeinsamen Album mit Boris Blank – verantwortlich ist.

Landsfrau Heidi Happy singt sich via „You And Me“ schwerelos durch loungiges Club-Ambiente, Dieter Meyer – der laut Selbstauskunft nie länger als 20 Minuten gebraucht hat, um einen Text zu den Klangkonstruktionen seines Kollegen zu erfinden – mäandert, gespickt mit schmissigen Bläsern, durch den „Sunday Morning“, als wäre die Liebe zu „the woman of my life“ eine Sünde.

Über die Zeit als physikalische Größe gibt es ganze Bücher; was das Duo „About Time“ zu sagen hat, hört sich ungefähr so an, wie das, was Milla Jovovic in „Das fünfte Element“ über die Weltgeschichte im Zeitraffer zu sehen bekam, eine Bestandsaufnahme, die Laibach-Frontmann Milan Fras nicht dramatischer aufsagen könnte: „the biggest desaster in the history of our species is our species“. Dem ist wohl nichts hinzuzufügen.

Nach so viel Dysphorie tanzt das mit dem 80er-Spirit eingefärbte „Spin Back“ den Kopf frei, werden die „Streets Of Berlin“ in „The Race“-Ästhetik befahren, dies in einem Tempo, mit dem die von sägenden Gitarrensamples befeuerte Hatz durch den „Midnight Traffic“ den Fuß auf dem Gas behält.

Mystische Chöre und Ethno-Beat prägen „China Blue“, formuliert „Burning Dreams“ im Indie-Pop-Look eine Liebeserklärung mit Hit-Potential, und wenn „Zebra“ als unheimlicher Science-Fiction-Soundtrack für die Philip K. Dick Novelle „VALIS“ schließt, sind Yello zeitlose Ausnahmekönner mit Stil geblieben.

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