Müssen immer alle erwachsen werden? Django Django waren seit ihrem selbstbetitelten Debütalbum von 2012 für ihre herrlich absurde, widerspenstige Sound-Mixtur aus Synth-Überreizung, Stimmen-Verfremdung und knallbunter Ekstase bekannt. „Not anymore“ sagt das neue Album „Doveland“ und bringt die Briten in ein ernsthaftes Folk-Setting. Wenn’s sein muss…
Entstanden ist die Idee dazu parallel zum Vorgänger „Off Planet„, der schon 2023 erschien. In der Lockdown-Phase hatten sich die Band-Mitglieder unabhängig voneinander an neue Demos gesetzt: Die eine Hälfte ging in bekannte elektronische Party-Musik über, Jim Dixon hingegen baute seine Schicht um Schicht mit Akustik-Gitarre und Gesang auf.
Das sollte natürlich nicht liegen gelassen werden, sondern bildete den Grundstein für „Doveland“, das diese Demos mit weiteren über die Jahre an diversen Orten entstandenen Song-Ideen zusammen bringt.
Django Django lassen dafür jetzt ihre Synthies in der Ecke und gehen wieder zurück zu ihren Grundlagen, so wie sie eben ganz früher auch mal gestartet sind.
In „So Heavy“ könnte man meinen, dass das nicht gleich heißt, dass die Spielfreude und energetische Stimmung außen vor bleiben muss. Aber über weite Stellen ist „Doveland“ dann so richtig ehrlicher, hemdsärmeliger, staubiger Folk.
Hätte man Django Django nicht zugetraut und die Band sich selbst vielleicht auch nicht. Inhaltlich war die Urban Legend „Doveland“ der Leitfaden, ein wenig wie Bielefeld, nur andersherum. Viele Leute in den USA haben in dieser Stadt angeblich Urlaub gemacht, Kindheitserinnerungen daran, etc. – aber eigentlich gab es diese Stadt nie. Oder doch?
Zwar ist das zugehörige Album kein reines Konzept-Werk mit narrativem Anfang und Ende, aber etwas Surrealismus á la Talking Heads ist schon in den Lyrics versteckt. Bei allem wird es richtig ernst, zum Beispiel mit einer elektronischen Erzählstimme in „Quicksand“, dem entrückten „Little Me“ mit Gastsänger Hak Baker, dem Aufruf „Hold Out For Better Days“ in „Indigo Road“ oder auch dem The-Byrds-Folk-Song „Left Adrift“.
Gemeinsam spielt sich das Album durch eine gewisse Wehmut, klingt dabei erwartbar rund und ‚vollmundig‘ – aber dann doch so wenig nach Django Django, dass man froh ist, wenn es bei diesem einzelnen Ausflug bleibt. Hoffentlich.

