Bonobo – Distance In Static

Hier schreibt jemand, der für elektronische Musik in der Regel so viel Leidenschaft hat wie Friedrich Merz für die Probleme und Ängste der normalen Bevölkerung. Noch nie auf einem Rave gewesen, noch keinen Techno-Club von innen gesehen und nichts davon bereut.

Aber bevor jetzt jemand losschreit, warum zur Hölle so jemand dann die neue Bonobo-Platte rezensiert, sei direkt vorweggenommen: „Distance In Static“ hat das Potenzial zur Bekehrung. Denn dass keine Beats schöner wärmen als die von Simon Green, wie Bonobo bürgerlich heißt, ist auch abseits der Elektro-Bubble kein Geheimnis mehr.

Es kommt nicht von ungefähr, dass Bonobo jahrelang mit einer ausgewachsen Live-Band tourte und die Definition des Möglichen in diesem Kontext neu verhandelte. Ein Spektakel, das man laut eigener Aussage des Briten mit der kommenden Tour vielleicht zum letzten Mal in dieser Art genießen kann. Bonobo hält sich nach 25 Jahren im Business die Möglichkeit offen, auch mal etwas ganz anderes zu machen.

Was genau, verrät Simon noch nicht. Nur so viel: Er möchte das Musikersein von nun an neu definieren. Wenn das jemand schafft, dann er. Denn eigentlich tut er ja genau das schon seine ganze Karriere. Er verbindet, was scheinbar nicht zusammengehört und dabei entsteht eine breite, musikalische Palette, die bei vielen Geschmäckern Anklang findet. Und das ist als Kompliment zu verstehen.

Wie bereits in der Vergangenheit gibt es auf „Distance In Static“ jede Menge Kollaborationen. In „Fire On The Water“ entführt Arooj Ajab auf Urdu, der Nationalsprache Pakistans, zu subtilen Beats und repetitivem Picking in eine mystische Welt voller verzwickter Rhythmen, die dem Hörgenuss ganz selbstverständlich nicht im Weg stehen.

In „Youth Fountain“ wagt sich Nilüfer Yanya an Sprechgesang; es spielen Bläser und die Indie-Kapelle durcheinander und klingen dabei trotzdem tight und modern.

Aber es gibt auch genügend Tracks, bei denen Bonobo es ganz ohne Verstärkung schafft, die Breite seine Klangpalette zu demonstrieren. Der kurze Opener „Dawn“ ist das melancholische Intro, das mit breiter Streicherwand direkt zum Fenster zur Seele wird. „Cycles“ oder „Uncasually“ hingegen legen dann den Blick auf die pulsierende Tanzfläche frei.

Mit „Distance In Static“ hat Bonobo sie mal wieder alle am Haken.

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