Wo auf „Red, Yellow, Blue“ noch ein simples wie faszinierendes Grundkonzept die Struktur, den Titel und die Organisation der Musik vorgab, gibt es beim selbstbetitelten Nachfolger keinerlei Anhaltspunkte. Es trägt den Namen der Band, De Staat (niederländisch für „Der Staat“) und zeigt auf dem Cover ein Paar aufgerissene Augen. Was potentiellen Hörer*innen hier bevorsteht, bleibt bis zum ersten Ton ein Mysterium.
Die fünf äußerst gut angezogenen Herren aus Nijmegen haben sich mit ihrem achten Album weder auf irgendwelche Wurzeln besonnen noch neu erfunden, wie es der äußerst kreative Titel vielleicht vermuten ließe.
Stattdessen treiben sie ihre Mischung aus Elektro- und Alternative-Rock kalkuliert weiter voran und erschaffen dabei einen Anwärter auf die schlecht gelaunteste Platte des Jahres.
Auch wenn sie dabei mal wärmere Klänge tangieren, zum Beispiel in „THE MATTER“, machen De Staat die Illusionen schnell wieder zunichte. „A pillow or a stone / Every little thing you call your own / […] It doesn’t even matter / No one in control / Oh, is it a jump or is it a fall?“
Das passiert aber sowieso nicht häufig. Der Grundmodus bleibt deutlich rotzig-scheppernd, mit Textzeilen, die der Musik entsprechen.
Das Intro „THE KING“ legt zwar mehrere falsche Fährten, endet aber an keiner davon. Stattdessen wiegeln sich die stumpfen Trommeln und die tiefen Synthesizer dreieinhalb Minuten lang immer weiter auf. Erst nach einem verhaltenen Countdown ist der Song wirklich zu Ende.
„THE UNDERDOG“ startet wie eine Einladung zum Retro-Rave, verliert sich aber in kühlen Kirchenorgeln und unruhigen Riffs. Über fast schon unterkomplexen Chor-Beats entwickelt sich „GLORY“ zu einer wahnsinnigen Predigt. Und „THE MAN“ bohrt seinen repetitiven Text („Fuck around / Find out“) mit Mülltonnen-Schlagzeug und Fließband-Gitarren immer tiefer ins Ohr.
„De Staat“ strapaziert Nerven auf eingängigste Weise. Dieses kühl nervöse, feurig hämmernde, rotzig speiende Album erstickt auf zehn Tracks jedes Gefühl der Hoffnung und der guten Laune im Keim. Aber wie eine Brandrodung macht sie dabei auch Platz für Neues und Frisches frei.
