Ikan Hyu – Withdrawal Symptoms

Zehn Jahre gibt es Ikan Hyu nun schon, und ihr zweites Album „Withdrawal Symptoms“ feiert das nicht mit Konfetti, sondern mit einem Tauchgang durch 13 sehr unterschiedliche emotionale Riffe.

Der Bandname bedeutet auf Indonesisch „Hai“, und genau dieses Wasser-Motiv zieht sich durchs ganze Werk: mal als Hai an Land, mal als Vogel im Meer. Die Botschaft dahinter bleibt immer dieselbe – das Gefühl, komplett fehl am Platz zu sein.

Im Zentrum steht für Hannah Bissegger und Anisa Djojoatmodjo vor allem Freundschaft: Sich in ihr zu verlieren und wiederzufinden, dazu Nähe und Distanz, das Loskommen von festgefahrenen Denkmustern.

Produziert hat das Album der Wiener SYRIX, der offenbar auch für DIY-Chaos zu haben ist – aufgenommen wurde unter anderem mit einem Walkie-Talkie als Mikro, dazu kommen ein Moog Subsequent, ein Theremin sowie selbst eingefangene Geräusche von Alpenvögeln und dem Meer.

Musikalisch pendelt das Album zwischen Indie-Rock, Dark-Pop und kurzen Hyper-Pop-Abstechern, auch die Songtitel sind entsprechend eklektisch, mit Bildchen und Satzzeichen statt klassischer Namen.

Klarer Höhepunkt ist „MIMICRY LOVESICK“, das sich anhört, als hätte es sich in einen Cyberpunk-Film verirrt. Gleich danach kippt die Stimmung in eine andere Richtung – „g h o s t“ liefert Angry-Girl-Rock im Stil von The Last Dinner Party, während „Heavy“ uns mit trägem, traurigem Elektro-Pop zurück in die 2010er schickt, ganz im Sound von Sky Ferreira.

Der zehnte Track, betitelt mit einem Herz-Zeichen, bricht nach 19 Sekunden Gitarrengezupfe und Vocal-Chop abrupt ab, wie eine Sprachnachricht, die eigentlich nie hätte rausgehen sollen.

Zum Ende wird es getragener: „Solar Power“ liefert eine waschechte Herzschmerz-Ballade im Dreivierteltakt mit gesprochener Bridge, bevor „Purple Orange Sky“ mit seinem rastlosen Indie-Rock-Pop nochmal Aufbruchstimmung verbreitet.

Der Titeltrack schließlich holt das eingangs beschriebene Nicht-Dazugehören noch einmal ein, um sich endgültig davon zu verabschieden – mit Falsett-Gesang, dazu elektronischen Elementen und experimenteller Percussion bietet der Song ein weiteres Highlight des Albums.

Für sich genommen sind die Songs allesamt stark, manche mehr als andere – als Album findet „Withdrawal Symptoms“ aber nie ganz zu einem roten Faden. Jeder Track reißt eine eigene kleine Welt auf, in die man sich gern vertiefen würde, bevor man im nächsten Song schon wieder ganz woanders landet.

Dahinter stehen letztlich zwei Pole: die reife, fast kunstvolle Melancholie à la Banks oder Lykke Li, die mit brüchigen, glitchigen Sounds und zerbrechlicher Stimme wirklich in die Tiefe geht und ein jüngerer, roherer Rock-Sound, der das Album erdet, aber – etwa bei „(PINK NOISE)“ – auch mal mehr Pose als Substanz liefert.

Das eingangs skizzierte Wasser-Motiv böte reichlich Stoff für emotionalen Tiefgang; „Withdrawal Symptoms“ nutzt ihn nur streckenweise und treibt zwischendurch lieber an die Oberfläche.

„Ikan Hyu – Withdrawal Symptoms" in deine Jahres-Charts?

Fan-Mitglieder markieren Alben als Favorit und küren ihre eigenen Jahrescharts.

Kommende Konzerttermine

Keine aktuellen Termine

Schreibe einen Kommentar

Login