Schon seit Anbeginn der Popkultur (wann auch immer man ihn verorten möchte) flüchten sich ihre Akteure in die Vergangenheit. Der US-amerikanische Singer/Songwriter Pokey LaFarge ist einer dieser Zeitreisenden. Seine größte Leistung liegt allerdings darin, dass er seine musikalische Rückwärtsgewandtheit argumentativ als etwas ganz anderes verpacken kann:
„Ich versuche einfach, Musik zu machen, die KI nicht nachahmen kann. Die Dinge sind momentan so homogenisiert. Dagegen sträube ich mich wirklich, wirklich, wirklich, besonders wenn es um Musik geht “, kommentiert LaFarge die Veröffentlichung seines mittlerweile 12. Studioalbums „Rent Money“.
Nach Pop-Mainstream des Jahres 2026 klingen die 11 Songs nicht – soweit kann man sein Vorhaben als Erfolg verbuchen. Erweitert man den zeitlichen Vergleichsrahmen, besticht die Platte aber auch nicht gerade durch einzigartigen Klang.
Stattdessen bedient sich Andrew Heissler, wie Pokey LaFarge bürgerlich heißt, bei so ziemlich allen Stilen, deren Haltbarkeitsdatum seit mindestens fünf Jahrzehnten überschritten ist: Rockabilly, Country-Rock, ein bisschen Boogie Woogie. Hier wird alles verbraucht, was nach staubiger Jukebox klingt.
Wer sich schon mal quer durch aktuelle Blues-Rock- und Americana-Veröffentlichungen gehört hat, weiß, wie sich wahrer Stillstand anfühlt. In diese Welt der akustischen Redundanz, der Tribute-Alben und des zelebrierten Abklatschs würde sich auch Pokey LaFarge wunderbar fügen – würde er nicht (zum Glück) seine eigenen Songs schreiben, die lyrisch auch noch einigermaßen up to date sind.
Zugegeben, schlecht bezahlte und unbefriedigende Arbeit („Work“) ist kein exklusives Symptom unserer Zeit, ebenso wenig wie der Unmut über die stetigen Abgaben an den ungeliebten Vermieter („Rent Money“). Aber die Benennung dieser Umstände reicht schon aus, um sich von den meisten zahnlosen Genrekollegen abzuheben.
Trotzdem stolpert Heissler auch auf diesem Gebiet hinter der Zeit her. Während Künstler*innen, die außerhalb des Rahmens eines 50s-Revival-Kults agieren, die Probleme pointierter, polemischer, pro-aktiver und lustiger formulieren können (wie zum Beispiel der Untergrund-Rapper Johnny West: „Keine Liebe für keinen Vermieter / Verbrecherverein wie die FIFA“), bleibt „Rent Money“ ein passives Lamento der schlechten Umstände: „The good lord giveth / the landlord taketh away.“
Wem es nach den Klängen des verflossenen „goldenen Zeitalters“ gelüstet, der wird an „Rent Money“ seine Freude finden. Von außen betrachtet bleibt Pokey LaFarge allerdings eine raumzeitliche Anomalie, die man auch bei seinem 12. Album einigermaßen befremdlich finden darf.
