Uche Yara – Bodyscanner

Wer sich selbst „Post-Club-Visionärin“ nennt, hängt die Erwartungslatte ziemlich hoch. Uche Yara springt locker drüber. Auf ihrem Debütalbum „Bodyscanner“ öffnet sie eine Welt, die bunt, laut, unerwartet und queer ist und für alle offensteht, die sich reintrauen. Wer wieder herauskommt, stellt zwei Fragen: Was habe ich da gerade erlebt? Und: Kann ich nochmal?

Ganz neu im Geschäft ist die Österreicherin mit nigerianischen Wurzeln nicht: Sie stand mit Bilderbuch in der Hamburger Elbphilharmonie auf der Bühne, eröffnete 2022 für die Rolling Stones im Wiener Ernst-Happel-Stadion und sammelte mit den EPs „Golden Days“ und „Honey,“ Fans wie Parcels und Marc Rebillet ein.

Ihre Musik sei „schwer zu greifen und unmöglich einzuordnen“, heißt es im Pressetext. „Bodyscanner“ zeigt: Das ist keine Übertreibung. Der Titeltrack und Opener fühlt sich an wie ein Aufnahmeritual: pulsierende, fast spirituelle Beats, eine arabisch anmutende Lead-Melodie und Spoken Word, das ohne einen Hauch von Stolpern sitzt.

Danach lockt „Hello Hello“ tiefer in Uche Yaras Welt: musikalisch mysteriös, entrückt und einladend wie ein Türspalt, aus dem Licht fällt. Textlich geht es allerdings ans Eingemachte, nämlich um gesellschaftliche Abstumpfung und kollektive Empathielosigkeit.

Nach zwei weiteren beat- und rap-lastigen Songs darf kurz durchgeatmet werden, ohne dass die Intensität nachlässt. „What Is Left Of Me“ startet als Traumreise mit weichen Ambient-Flächen und lässt danach Textzeilen wie ein Meditationsmantra kreisen.

„Be Something“ schwebt langsam weiter, und wie schon im Track davor erinnern die luftigen Vocals an Laura Mvula.

In „DIVA CLUB“ darf man an Grace Jones denken, während treibender Rhythmus und Call-and-Response verkünden, dass hier von dem „Diva-Team“ Geschichte geschrieben wird.

„Sloppy Kisser (Doit Doit Doit)“ liefert dazu den funky Partyspaß, der an Doechii erinnert, „Power To The Ship“ verneigt sich mit rhythmischem Sprechteil vor der Ballroom- und Clubkultur der Schwarzen und queeren Community.

In den Features mit TaliaBle und SHEIVA („Fugazi“, „Belt To Belt“) schimmert leicht die Klangwelt von Beyoncés „The Lion King: The Gift“ von 2019 durch.

Genregrenzen interessieren Yara wenig: Elektro, Hip-Hop, Hyper-Pop, Alt-Pop und R&B landen im selben Track, und trotzdem wirkt nichts zusammengewürfelt. Der Sound ist durchweg frisch und modern, mal fast außerirdisch, mal wunderbar rau: Auf atemberaubende Harmonien folgen bissige Rap-Passagen. Dazu dürfen Hörer*innen erst tanzen, dann angenehm dissoziieren.

Yara macht auf ihrem Debüt keine halben Sachen – sie weiß genau, was ihre Message ist und an wen sie sich richtet. Wo andere auf dem ersten Album noch ihren Sound suchen, klingt „Bodyscanner“, als hätte Yara ihn längst gefunden.

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